Am Abend fragt meine Frau: «Wo ist eigentlich Raffi? Ich habe sie doch in den Flur gestellt, damit wir sie entsorgen können. Auf dem Estrich ist zu wenig Platz.»
Die Kinder grinsen sich an.
«Das wirst du merken, wenn du nächstes Mal Freddys Zimmer putzt», meint Nadja.
Renate ist einen Moment sprachlos.
«Warum ist sie in Freddys Zimmer?», fragt sie endlich.
«Raffi ist der Grund dafür, dass ich Torwart wurde», erklärt Freddy und erzählt, warum.
Wir hören zu. Aber meine Frau schüttelt den Kopf. «Jetzt spinnst du, Freddy. Sogar im höchsten Grad. Das ist doch keine Trophäe, sondern ein Kinder-Spielzeug. Ausserdem hast du in deinem Zimmer gar keinen Platz.»
«Aber wenn ich die Pokale und Medaillen in den Kasten werfe…»
«Nichts da! Die bleiben, wo sie sind. Und die blöde Giraffe kommt an den Strassenrand. Die können andere Kinder noch brauchen!»
Mein Sohn ist enttäuscht, wagt aber nicht zu widersprechen. Vielleicht fürchtet er ja auch den nächsten Besuch seiner Kollegen.
Am nächsten Morgen stellt meine Frau die Giraffe an den Strassenrand. Mit einem Schild um den Hals: GRATIS
Vor der Dämmerung holt sie das Tier wieder ins Haus. Am nächsten Tag wieder raus…
Viele Leute bleiben stehen.
«So härzig…»
«Schau, Mama, eine Schaukel-Giraffe!»
«Du hast doch schon ein Schaukel-Pferd…»
«Aber sie sie sieht so niedlich aus!»
«Papa, kann man da drauf auch schaukeln, auch wenn das kein Schaukel-Pferd ist?»
«Ich denk schon, ja.»
Aber niemand nimmt das Tier mit. Es bleibt tagelang stehen. Und eines Abends vergessen wir alle, es ins Haus zu holen. Über Nacht regnet es. Die Giraffe tropft am nächsten Tag vor sich hin. Freddy weint fast deswegen.
«Meine liebe Raffi!»
Wir stellen sie in den Keller. Am Abend muss ich im Do-it-yourself-Laden einen Entfeuchter kaufen. Und ihn die ganze Nacht laufen lassen. Und am Morgen die Schublade mit dem Wasser leeren.
So, jetzt kennst du die ganze Geschichte. Und kein Ton zu Freddy! Sonst erzähle ich dir nie wieder ein Märchen!
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