Freddy liebt zum Glück seine Giraffe. Allerdings kann er noch nicht Giraffe sagen, sondern nur «Raffi». Mit der Zeit kann er das Tier selbst besteigen, lehnt seinen Kopf an den Hals und schläft gelegentlich sogar darauf ein. Der Hals ist mit der Zeit deshalb voll gesabbert. Natürlich versucht Renate, das Tier hin und wieder zu reinigen. Aber einige Flecken bleiben.
Ich stelle den Staubsauger zur Seite.
«Was machen wir denn nun mit Raffi?», ruft meine Frau von unten.
Mein erster Gedanke ist: Wegwerfen. Dann schäme ich mich plötzlich ein wenig. ‘Was bleibt von meinem Vater, wenn er mal stirbt?’, denke ich. ‘Vielleicht wenigstens diese Giraffe. Und die Geschichte dazu.’
«Vielleicht behalten wir sie für unsere Enkelkinder», schlage ich vor. «Muss ja nicht jede Generation neue Dinge kaufen.»
«Wir könnten sie eventuell im Internet verkaufen», meint Renate. «Ich mache ein Inserat bei «Tutti».»
Sie setzt sich in ihrem Büro an den Computer. Jammert erst, dass sie das Passwort nicht mehr weiss. Flucht dann, weil sie ja zuerst noch «gute Fotos» von der Giraffe braucht. Und lächelt zufrieden, als sie das Inserat schliesslich doch zustande gebracht hat.
Einige Stunden später bereits reagiert eine Kundin. Sie möchte das Schaukel-Tier haben. Aber sie habe kein TWINT. Und möchte auch nicht über ein Bankkonto bezahlen. Das sei ihr zu unsicher. Ob es wohl möglich wäre, dass Renate ein Postfinance-Konto einrichten würde? Sie könnte ihr dann einen Link schicken, damit sei der Bezahlvorgang ganz einfach und sicher…
«Warum in aller Welt sollte ich extra ein Postfinance-Konto einrichten?», fragt mich meine Frau.
«Was weiss ich? Du kannst ihr ja einen QR-Einzahlungsschein schicken.»
«Weisst du denn, wie das geht?»
«Ja sicher. Hab’ bloss keine Zeit. Aber Freddy weiss gewiss, wie das geht.»
Sie zieht die Augenbrauen hoch. «Du weisst also nicht wie das funktioniert!»
«Na ja, ich hab’s noch nie gemacht. Aber wird doch wohl nicht so schwierig sein…»
«Ich glaube, ich lasse das mit dieser Kundin. Sie hat ja auch noch gar nicht gesagt, dass sie die 50 Franken bezahlen will.»
Einige Tage später lesen wir in der Zeitung, dass es bei Tutti eine neue Betrugswelle gibt. Die Kundinnen und Kunden seien mit gefälschten Links über den Tisch gezogen worden…
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