Aus der zweiten Reihe, Estrich räumen

Was ich da an den Strassenrand gestellt habe? Wonach sieht es denn aus? Hahaha, nein, das sieht zwar wie ein Schaukelpferd aus, ist aber eine Giraffe! Hast du noch nie gesehen? Ist auch irgendwie nicht alltagstauglich. Aber sicher eine Rarität! Warum die Giraffe hier steht? Interessiert dich das wirklich? Ist aber eine längere Geschichte. Du hast Zeit? Also…

«Schaaatz! Es ist Zeit, dass wir wieder einmal auf dem Estrich aufräumen!», meint meine Frau kürzlich. Am letzten Wochenende.

Ich wollte mich gerade auf dem Sofa niederlassen. Was meinst du? Nein! Ohne Bier. Aber das ist eine andere Geschichte. Vielleicht später. 

«Oooch! Muss das sein?»

«Erstens haben wir sicher seit drei Jahren oben nicht mehr aufgeräumt. Zweitens räumen deine Eltern in letzter Zeit ständig und stellen uns ungefragt Gegenstände hin, von denen sie sich nicht endgültig trennen wollen. ‚Vielleicht könnt ihr das ja noch brauchen…‘ Die landen dann meistens im Estrich. Drittens…»

«Ist ja gut!»

Du erinnerst dich an die ausfahrbare Treppe? Na gut, eigentlich nur eine Leiter… Aha. Nein, ich muss das nicht unbedingt nochmals erzählen.

Oben ist es eng und dunkel. Mindestens, bis sich die Augen an das spärliche Licht vom Dachfenster gewohnt sind. Etwas steht vor mir. Sieht aus wie ein mumifiziertes Tier. Ein Fuchs, der hier oben verhungert ist? Ich erschrecke und trete einen Schritt zurück. 

«Aua!» Ich habe beim Zurückzucken mit meinem Kopf unliebsame Bekanntschaft mit einem Dachbalken gemacht. Dann fassen meine Hände in ein undefinierbares Gewebe. Endlich erreichen meine tastenden Hände den Lichtschalter. 

«Igitt!»

«Was ist denn?», ruft Renate von unten, «hat’s da oben Mäusedreck?»

«Hatschi!», ist meine Antwort. Darauf folgt ein Hustenanfall.

«Viel schlimmer: tausende Spinnweben, die zu Staub-Zement geworden sind!»

«Lamentier nicht!», ruft meine Frau, «gib mir einfach die Gegenstände runter.»

Also fasse ich beherzt nach dem verstaubten Ding vor mir. Unsanft schlägt mir darauf etwas gegen mein Schienbein.

«Aua!»


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