Aus der zweiten Reihe, Café 4

Wo Renate bloss bleibt? Sicher hat sie jene Menge Leute getroffen! Früher konnte ich, wenn solange sie mit jemandem gesprochen hat, unbemerkt Chips oder Bier in den Einkaufswagen schmuggeln. Jaja, du weisst das auch schon: Aktion! 

Der Mann gegenüber verabschiedet sich freundlich. Als er weg ist, werfe ich einen Blick unter die künstlichen Blätter: Tatsächlich! Er hat dort einen Aschenbecher stationiert. Fühle mich danach ertappt, da gerade die Service-Angestellt um die Ecke kommt. Lächle sie verlegen an. Sie grinst.

Es geht nicht lange, da fragen zwei Frauen: «Ist hier noch frei?» 

Die eine ist jung, vielleicht fünfundzwanzig. Sie hat farbige Tattoos. Und Piercings. Die andere könnte um die fünfzig sein. Sommerlich elegant angezogen. Die junge Frau mit zerrissenen Jeans und löchrigem Oberteil. 

«Vielen Dank für deine Einladung», sagt die ältere zur jüngeren. 

Als die Bedienung kommt, bestellt die ältere (die Mutter?) einen Cappuccino, die jüngere (die Tochter?) einen Latte macchiato. Mit Hafermilch. 

«Kann ich bei Ihnen mit TWINT bezahlen?», fragt sie.

Die Antwort verstehe ich nicht, vermutlich hat die Bedienung aber ja gesagt und entfernt sich.

«Und, wie geht es in der WG?», fragt die ältere.

«Der Jürgen ist immer noch ein wenig aufdringlich», sagt die jüngere. «Aber Nik kann damit umgehen. Obwohl er gerade in einer grossen Arbeit dran ist.»

«Hat er einen Auftrag erhalten?», fragt die Mutter erfreut.

«Nein, er verwertet gerade das Material, das von der letzten Ausstellung übrig war. Aber er will sich bei einer Galerie in Basel anmelden.»

Die Service-Angestellte bringt Getränke: Zwei Café creme und zwei Buttergipfel. 

«Die Dame – ich zeige auf die jüngere – hat einen Latte macchiato bestellt, mit Hafermilch», wage ich einzuwenden.

Die ältere Frau schaut mich säuerlich an. Die jüngere stemmt die Hände in die Hüfte. «Ich kann mich schon selbst wehren!», schnauzt sie mich an. Ich zucke zurück.

Die Frau vom Restaurant tippt sich an die Stirn. «Entschuldigung, gehört an Tisch 19.» Und weg ist sie. Kurz darauf kommt die Bestellung meiner Nachbarinnen. 

«Also, alles Gute zum Geburtstag», sagt die jüngere. Und sie stossen prustend mit ihren Kaffee-Tassen an. 

Wenn doch nur Renate bald käme!


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