Aus der zweiten Reihe, Café 2

Da setzt sich ein alter Mann zu mir. Ohne zu fragen. Bestellt sich eine «helle Schale». Die Angestellte scheint ihn zu kennen. Sie bringt ihm eine Schüssel Milchkaffee, ein «Chacheli» voll. Mit zwei Portionen Kaffeerahm. Dazu drei Packungen Zucker. Und ein Brötchen. 

«Merci», sagt er. Reisst die Säckli mit dem Zucker auf, schüttet den Inhalt in die Schüssel, gibt den Kaffeerahm dazu, rührt um. Dann reisst er vom Brot ab, tunkt es im Kaffee und isst genussvoll. So genüsslich, dass ich unwillkürlich an ein schmatzendes Schwein denken muss.

Doch der Mann hat eine gewisse Kultur, das muss man ihm lassen: Er wischt sich mit der Papierserviette den Mund ab, bevor er sich an mich wendet:

«Den Kaffeerahm bräuchte ich natürlich nicht unbedingt. Aber die Deckeli… bin nämlich KRD-Sammler.»

«Wie bitte?»

«Ich sammle Kaffee-Rahm-Deckeli.»

Nun nimmt er einen Beutel aus seiner Brusttasche, öffnet den Reissverschluss und entnimmt mehrere Gegenstände: Ein Packen Tabak, Papierchen und Watte. Ach nein, das müssen Filter sein. Die zittrigen Finger nehmen zwei Prisen Tabak, legen ihn auf ein Papierchen und mit einer unglaublichen Schnelligkeit und Geschicklichkeit hat er sich eine Zigarette gedreht. 

«So, jetzt kommt noch das Dessert.»

Verständnislos schaue ich ihn an. 

«Sie erlauben?»

«???»

«Darf ich eine rauchen?»

Zerstreut nicke ich. Aber statt die Zigarette anzustecken, dreht er sich zuerst noch eine zweite. Und schiebt sie hinter sein rechtes Ohr.

«Die ist für später», meint er, und grinst mich schelmisch an.


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