Aus der zweiten Reihe, Bergwanderung 4

«Ich hab’ dir doch gesagt, du sollst wenig einpacken», wirft mir meine Frau vor. Sie versucht, den Rucksack zu heben, schafft es aber fast nicht. «Was hast du denn da alles drin<’»

Ich seufze. «Das Buch sollte ich morgen wohl besser hier lassen…»

«Ein BUCH schleppst du mit? Kein Wunder bist du abends schlapp!»

Ich fahre weiter mit dem Bericht für meine Kumpels. 

«Also diese Ruhe auf der Alp! Nur Kuhglocken! Und der Wasserfall.»

Sie brauchen nicht zu wissen, dass ich zehn Minuten später von Renate ins Zimmer über uns geschickt wurde. Weil unsere zwei Kinder oberhalb von uns untergebracht waren. Und es ständig polterte. Als ich die Tür aufmache, wird mir klar, warum: Die Tochter wirft Kopfkissen links oder rechts aufs Bett gegenüber, wo der Sohn mit Hechtsprüngen versucht, sie zu halten.

«Sofort aufhören!», schreie ich.

«Warum? Freddy muss doch für den Match am nächsten Wochenende üben!»

«Das macht aber Lärm! Zu viel Lärm! Geht draussen üben. Aber ohne Kissen», füge ich noch an. Denn bei DEN beiden weiss man nie… «Vielleicht hat es irgendwo einen Ball in der Nähe. Und nicht gegen Fensterscheiben schiessen. Und…»

«Ist ja gut! Wir gehen ja schon!»

«Und am Abend haben wir von der Alp über uns den Alpsegen gehört», berichte ich Heiner und Kari. «Und danach haben wir Karten gespielt.»

«Ja? Wie WIR in alten Zeiten? Mit Misère und Slalom?», staunt Heiner.

«Natürlich!», behaupte ich. Na gut, war zwar nur UNO mit den Kindern. Im Hintergrund immerhin eine Stubete mit rassiger Ländlermusik.

«Paps, wann gehen wir endlich ins Bett?», fragt der Sohn gelangweilt.

«Jetzt haben wir doch erst gerade angefangen», staunt Renate.

«Ich bin müde», behauptet mein Sohn. «Noch etwas WASSER trinken, dann schlafe ich bald ein.» Er schaut mich herausfordernd an.

Meine Frau versteht die Welt nicht mehr. «Aber früher wolltet ihr doch bis mindestens zehn Uhr aufbleiben…»

«Ach weisst du», sagt darauf die Tochter, wir müssen noch schauen, was die anderen so machen.»

«Du willst JETZT noch ans Handy?»

«So ist die Jugend heute», grinst der Sohn frech. «Süchtig nach Social Media!»

«Was ‘n’ das?», frage ich.

«Facebook», vermutet Renate.


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar