Aus der zweiten Reihe, Camping 9

Ich suche etwas für an die Füsse.

«Worauf wartest du noch?»

«Wo sind bloss meine Pantoffeln?»

Sie seufzt. «Nimm halt die Sandalen!»

Ich wuchte mich auf. Suche im kargen Lichtschein den Klappspaten. Versuche dann, den Igel auf die Grabfläche zu kriegen. Das muss ein kapitaler Bock sein, oder wie sagt man bei Igeln in der Jägersprache? Ach so, Igel sind geschützte Tiere. Aha. Die darf man gar nicht jagen? Mir hat aber ‘mal einer aus dem Maghreb gesagt, wenn man einen Igel in kochendes Wasser gibt, kann man die Stacheln leichter… Ach so. Du möchtest das lieber nicht so genau wissen? Er sagte, das Fleisch sei sehr lecker. Vielleicht gibt es ja bald vegane Igelwurst…

Ich versuche also, den Igel nach draussen zu bringen. Habe aber in der Eile vergessen, wo die Spannschnüre fürs Zelt sind und stolpere darüber. Kann mich zwar gerade noch auffangen, aber der Igel rollt vom Spaten. Durch die Erschütterung sind die Kinder wach geworden.

«Was ist?», ruft meine Tochter.

«Ist ja noch dunkel», grunzt der Sohn, «muss wohl Vater gewesen sein, oder ein Erdbeben.»

Jetzt wird auch in zwei benachbarten Zelten Licht gemacht. Ich stehe verdattert da, immer noch mit dem Spaten in der Hand, als mir jemand mit einer Taschenlampe ins Gesicht zündet. 

«Sagen Sie ’mal, was machen Sie da mitten in der Nacht? Einen Wassergraben? Droht ein Gewitter?»

Aus einem dunklen Zelt ruft jemand: «Ruhe jetzt! Es ist mitten in der Nacht. Wir wollen schlafen!»

Ich flüstere dem Nachbarn zu: «Nur ein Igel. Wollte unbedingt in unser Zelt. Hab ihn rausgebracht.»

«Kleiner Tipp», flüstert er zurück, «hängen Sie die Nahrungsmittel in die Höhe, dann kann der verfressene Kerl nicht dran!»

«Danke.»

«Schlafen Sie gut.»

Ich gehe ins Zelt zurück, seufze und lege mich auf meine Matte nieder. Eine Hand tastet zu mir hinüber, packt mich und dreht mich auf die andere Seite.

«Danke», sagt meine Frau und küsst mich.


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