In der Nacht weckt mich ein Schreckensruf meiner Frau.
«Was ist?», frage ich schlaftrunken.
«Da ist jemand in unserem Zelt!»
«Blödsinn! Wer sollte bei uns eindringen? Alle haben modernere Zelte als wir, oder einen Wohnwagen. Schlaf weiter!»
«Ich habe aber ein Geräusch gehört», beharrt Renate. Frauen müssen immer das letzte Wort haben. Wie bitte? Na eben!
Ich drehe mich auf die andere Seite. Grunze noch wohlig und bin schon fast wieder eingeschlafen.
«Schatzi!»
Ich reibe mir die Augen. «Was ist denn nun schon wieder?»
«Sag mal: Kratzt du dich in deinem Dreitagebart?»
«Was soll das jetzt?», frage ich beleidigt. «Du hast doch gestern gesagt, der Bart muss weg! Das habe ich doch innerhalb von zehn Minuten erledigt! Und jetzt schlaf wieder!»
«Aber irgendwer kratzt sich ständig im Bart. Das kannst ja nur du sein, oder unser Sohn!»
«Unser Sohn hat noch keinen Bart. Und er hat einen Schlaf wie Rip van Winkle. Wenn man den nicht weckt, wacht er nicht von selbst auf!»
«Dann mach ‘mal Licht und schau nach», sagt meine Frau ängstlich. «Bitte!»
Ich stöhne auf. Wo ist die verfluchte Taschenlampe? Aha! Ich habe sie gleich neben dem Kopfkissen deponiert.
Mit der linken Hand decke ich den grellen Lichtstrahl ab, damit ich nicht geblendet bin und etwas sehen kann.
Der Lichtschein wandert von unserer Schlafkammer zu den Kindern hinüber. Da! Was ist das? Ein runder Schatten, kurze Beinchen und hunderte von Stacheln! Schon hat er sich eingekugelt.
«Ist bloss ein Igel», brumme ich.
«Bring ihn weg!», jammert Renate. «Igel haben immer viel Ungeziefer auf sich: Flöhe, Zecken, Milben und…»
«Du meinst ja wohl nicht, den fasse ich an? Vielleicht beisst er!»
Sie stuppst mich mit dem Finger unsanft in die Seite.
«Mach schon! Nimm halt den Klappspaten! Musst halt dein Hirn einschalten. Oder ist es noch vom Bier benebelt?»
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