«Zuerst sichern!», schreit mich der Mann an.
Zum Glück! Natürlich! Ich soll ja nicht runterfallen können. Erleichtert führe ich die Sicherungshaken ein und trete vorwärts. Uiiii! Das schwankt ja entsetzlich! Nicht nur vor- und rückwärts, sondern auch seitwärts! Egal! Kann ja nichts passieren. Also nächster Schritt.
«Pass auf, Paps, eine Schnecke!», ruft mein Sohn.
Ich schaue nach unten und strauchle. Muss einen grossen Schritt nehmen und erwische zum Glück den nächsten Balken.
«Blödmann!»
«Hättest dein Gesicht sehen sollen! Köstlich! Hahaha!»¨
Die nächsten Posten gelingen mir schon etwas besser. Aber dann kommt ein Seil. Nur ein Seil! Und oben noch eines für jede Hand, um sich festzuhalten. Meine Kinder eilen in wenigen Schritten darüber, ja, sie hüpfen beinahe zur nächsten Plattform. Ich hingegen weiss nicht recht, wie ich das Gleichgewicht finden soll, meine Schuhsohle gleitet auf dem Seil. Ich muss beinahe die ganze Last meines Körpers mit den Händen vorwärtsbringen. Bin auf der Plattform ziemlich erschöpft.
«Sag mal, warum zittern deine Beine so?», grinst mein Sohn.
«Frecher Kerl! Weil meine Schuhe eher zum Schlittschuhlaufen als zum Klettern taugen!»
«Oh, jetzt kommt zum Schluss das Beste!», ruft Renate entzückt.
Ich drehe mich um. Ein langes Stahlseil führt über eine Schlucht. Gerade stösst sich vor uns eine Frau kräftig ab und saust – immer schneller werdend – hinüber. Ich zucke zusammen und halte die Luft an. Sicher muss sie zerschellen! Aber nein, sie hebt die linke Hand nach oben ans Seil, bremst mit dem Handschuh sanft ab, landet elegant auf der Plattform und klinkt sich aus. Erleichtert atme ich aus.
Wir bekommen die letzten Instruktionen. Die Kinder gleiten hinüber. Jetzt bin ich dran. Ohne, dass ich es will, gibt mir der Mann einen kräftigen Stoss.
«Uiiii!» Verkrampft ziehe ich die Beine an. Meine Hand greift nach oben.
«Noch nicht! Lass es laufen!», brüllt mir der Instruktor nach.
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