Aus der zweiten Reihe, Beerenernte 4

Ich pflege meinen Finger. Aber der Essig wirkt nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Und er stinkt. Ich stelle ihn in die Auszugschublade zurück. Und überlege mir, wie ich die Kinder dazu bringen könnte, noch die Erdbeeren im Garten zu pflücken.

«Kinder, ihr liebt doch die Erdbeer-Desserts eurer Mutter so sehr…», beginne ich.

«Stimmt», entgegnet mein Sohn, «du könntest so nett sein, und sie für uns pflücken!»

Mein erster Versuch ist ein voller Rohrkrepierer. «Davon kann doch nicht die Rede sein. Mit diesem Finger!»

«Aber Paps, du kannst die Erdbeeren ja mit der anderen Hand pflücken», säuselt meine Tochter.

«Ich armer, verletzter Vater soll für EUER Dessert sorgen», schimpfe ich. «Schluss jetzt! Wie war das mit eurem, Taschengeld? Wollt ihr welches am Samstag?»

«Alter Erpresser», grummelt mein Sohn.

«Was meintest du?»

«Wir gehen ja schon…»

Sie zotteln mit je einem Litermass davon.

«Alter Erpresser», sagt meine Frau. Aber sie lächelt dabei.

Ich seufze. «Es stimmt schon. Manchmal fühle ich mich alt. Miraculix, ich fühle mich ein wenig schwach!»

Sie grinst. «Nichts da! Du bist als Kind in den Zaubertrank gefallen, Obelix!»

Es ist schön, mit meiner Frau so vertraut zu sein. Auch wenn sie weiss, dass ich Bier und Chips im Gartenhaus habe. «Renate, das mit dem Spanngurt ist gemein!»

«Warum? Du hast ja eine Chance. Musst nur den Code herausfinden!»

«Das dauert doch ewig! Bis dann ist das Ablaufdatum längst vorüber», jammere ich.

«Hast du es denn schon versucht?»

Lügen zwecklos! «Na ja… dein Geburtstagsdatum ist es nicht. Und die Grundeinstellung auch nicht.»

«Stimmt. MEIN Geburtstagsdatum ist es nicht…»


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