Aus der zweiten Reihe, Beerenernte 3

«Was ist denn da los?», entfährt es mir. Zwei Stauden sind wie siamesische Zwillinge zusammengewachsen. Aber nein! Da sind Winden drin!

«Du elendes Drecks-Gewächs», schimpfe ich hemmungslos. Auch diese Pflanzen grabe ich so tief wie möglich aus. Der Kessel wirkt schon fast voll. Na ja, ist ja auch nicht viel grösser als ein Sandeli-Eimerchen.

Nun ist mein Plastikbecken fast voll von den Himbeeren. 

«Noch die zwei, die sich da verstecken», rede ich mir zu. Da passiert es: Ein Stich in meinen Mittelfinger.

«AUA!». Vor Schreck lasse ich die Schüssel fallen. Eine Biene fällt zu Boden. «Blödes Mistvieh!», schreie ich und vergesse dabei, dass sie bloss Blüten bestäuben wollte. Die Beeren verteilen sich auf dem Boden. Einen Moment lang weiss ich nicht, ob ich mich zuerst um den Finger kümmern soll. Aber ich klaube tapfer zuerst die Beeren ins Becken zurück. Die Zeit arbeitet gegen mich: Mein Finger schwillt an.

«Eine Biene hat mich gestochen!», schimpfe ich, kaum bin ich in der Küche zurück, und halte den Finger hoch.

«Hast ihr wohl den Stinkefinger gezeigt», grinst mein Sohn, der vor einem Eistee sitzt. Die Tochter lacht herzhaft.

«Hast du den Stachel herausgezogen? Nimm doch etwas Essig», empfiehlt Renate, die schon eine Pfanne auf dem Herd bereit hat, um Konfitüre zu kochen. Sie nimmt mir die Beeren ab. 

«Warum sind die so dreckig und zermanscht?»

«Sind mir runtergefallen, weil mich die Biene gestochen hat!»


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar