Aus der zweiten Reihe, Beerenernte 2

«Kannst die ja diesmal auch gleich waschen, wägen und in den Tiefkühler stellen. Und vergiss nicht, die Gefrierbeutel zu beschriften!»

«Jaja. Himbeeren, 500 g, Datum…» Ich flüchte in den Garten. Will heissen: Zum Gartenhäuschen. Will mir im Vorbeigehen ein Bierchen mitnehmen. Was ist denn das? Da hat jemand einen Spanngurt durch den Griff des Kühlschranks gezogen. Und mit einem Nummernschloss gesichert. Mist! Ich versuche es mit 070. Leider kein Erfolg. Vielleicht 030? Auch nicht. Renate hat doch im Oktober Geburtstag. War das der Dritte? Also 310. Auch nicht! Verflixt und zugenäht! Missmutig trotte ich mit dem Plastikbecken zu den Beeren. 

Habe kaum ein Dutzend Himbeeren im Behälter, als meine abstreifende Hand von Dornen aufgekratzt wird. «AUA!» Ich lutsche an den Kratzern. Und suche die Ursache. Wilde Rosen durchwachsen meine Himbeer-Stauden. Wütend gehe ich zum Gartenhaus zurück. Wann hat bloss unser Sohn Geburtstag? 10. November? Aber das Schloss hat bloss drei Nummern. Die Tochter? Zwölfter März. 123. Leider auch nicht. Missmutig nehme ich einen Eimer, werfe Handschuhe, einen Stechbeitel, und sicherheitshalber noch eine Rebschere, Schnur und Faden hinein.

«Na wartet, ihr Miststücke!», sage ich zu den Dornen und steche sie so tief wie möglich aus. Endlich kann ich mit dem Pflücken weiterfahren.

«Roti, schwarzi, gibeligäli…», singe ich vor mich hin, bis ich merke, dass ich ja nicht Kirschen, sondern Himbeeren abnehme.


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