Aus der zweiten Reihe, Wäscheversuch 6

«Ach, von hier kommt der Gestank! Ich glaube, deine Wäsche hat mit dir Alkohol getrunken!»

«Ist nur etwas Bier drauf gekommen…»

«Wie denn das? Ich dachte, DU trinkst das Bier?»

«Hab mich verschluckt, und da musste ich husten…»

Renate gibt keinen Kommentar zu meiner Notlüge. Sie packt die feuchte Wäsche und will in den Keller. 

«Aber das ist doch nicht schlimm», sage ich, «das ist doch schon fast trocken!»

«Willst du bei der Arbeit nach Bier stinken», fragt meine Frau giftig. «Also ich würde mich für dich schämen müssen!» Einige Minuten später höre ich sie geräuschvoll die Türe zuschlagen. 

«Hoffentlich hast du für morgen noch genug Kleider», sagt sie, als sie ins Wohnzimmer kommt. 

«Ich glaube schon.» Ein Angriff läuft über die linke Flanke.

«Du könntest dich auch bedanken!»

«Wofür denn?» Die Verteidigung stemmt sich gegen den generischen Sturm. 

Renate explodiert. «Weil ich dir nun deine Kleider noch einmal wasche zum Beispiel!»

«Danke.» Der Torwart kickt den Ball weit über die Mittellinie. 

«Andere Männer bringen ihren Frauen hin und wieder ein Geschenk!»

«Blumen?» Der Stürmer wird gefoult. Der Schiedsrichter zeigt auf den Elfmeterpunkt. 

«Zum Beispiel!»

«Aber du mochtest ja das Blumen-Abo nicht!» Die Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion brüllen sich die Kehle wund. 

«Ja, weil es ein Abo war! Weil du gar nicht selber an ein Geschenk denken musstest! Hörst du mir überhaupt zu?» Der Stürmer versenkt den Ball im gegnerischen Tor. Ich jucke auf. «Toooor!»

Renate verlässt wütend die Stube. Ich laufe ihr hinterher. «Renate!»


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