Aus der zweiten Reihe, Badi 11

Der Junior ist weg. Und ich kann mich wieder hinlegen. Habe mich gerade gemütlich eingerichtet. Und bin am Wegdösen. Da trifft mich etwas mitten ins Gesicht. ‘Welcher Idiot…’, denke ich. Meine Augen füllen sich mit Tränen, ich kann nichts sehen. Ich versuche mich aufzurichten. Schnell wegeilende Schritte. Dann eine kühle Hand auf meiner Schulter. 

«Entschuldigen Sie! Mein Junge hat sie mit dem Fussball erwischt.»

Diese Stimme! Endlich bringe ich meine Augen auf. Eine Mittdreissigerin mit braunen, langen Haaren bückt sich zu mir runter. 

«Geht es?», fragt sie.

Ich nicke. «Bin ganz OK», winke ich ab. 

«Tut mir leid, soll nicht wieder passieren. Reto! Komm her und entschuldige dich bei diesem Herrn!»

Dieser Herr! Damit bin ich gemeint! Ich ziehe meinen Bauch ein.

Der Junge trottet daher. «’Tschuldigung…»

«Schon gut! Kann ja mal passieren.»

«Geht doch nach hinten Fussball spielen! Auf den Spielplatz!», sagt sie. Und zu mir gewandt: «Alles in Ordnung?» Sie lächelt.

Oh, dieses Lächeln! Mir bleibt der Mund offen. «Oh ja», stammle ich, «fühle mich prima.»

«Entschuldigen Sie nochmals», sagt sie, wendet sich ab und geht weg. Mit wiegenden Hüften. 

Wenig später kommt meine Frau zurück. «Wer war denn das?», fragt sie giftig.

«Wer? Wo?»

«Ach, tu nicht so! Die Frau. Die dich vorher geküsst hat!»

«Frau? Geküsst?»

«Tu nicht so scheinheilig? Und gib mir eine Antwort! Vorhin war eine Frau bei dir!»

Ach ja! Die Brünette. Mit dem wilden Sohn!

«Schatz, bist du das?»

«Spinnst du jetzt? Du wirst doch wohl noch deine eigene Frau kennen!»

Ich seufze tief. «Weisst du, vorhin hat ein Junge mir einen Fussball ins Gesicht getreten. Ganz fest. Und da kam die Mutter. Und hat sich entschuldigt.»

«Und dich geküsst!»

«Blödsinn! Sie hat sich zu mir runtergebeugt. Und nachgesehen, wie es meinem Auge geht. Ist zum Glück nichts Ernsthaftes.» Blödmann! Jetzt habe ich einen möglichen Vorteil vergeben. «Wobei… Es tut schon noch weh. Weiss nicht, ob ich noch einmal ins Wasser gehen kann…»


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