Aus der zweiten Reihe, Badi 6

Plötzlich taucht der Kopf meines Sohnes neben mir auf, und ein Schwall Wasser landet in meinem Gesicht.

«Hallo Paps!»

«Was soll das? Bin schon nass!»

«Wollte dich nur vom Einschlafen abhalten…»

«Dir werd’ich…»

«Also weiter, Paps, das waren erst 50 Meter!»

Da steckt doch garantiert Renate dahinter! Schickt mir den Jungen – zur Kontrolle! Ich wende also und schwimme zurück. Spüre schon meinen Nacken vom Brustgleichschlag. Komme etwas ausser Atem zum Start zurück. 

«Hallo Papi», sagt meine Tochter und streckt mir die Hand entgegen. Daran baumelt eine Schwimmbrille. 

«Mama sagt, vielleicht könntest du DIE brauchen. Wegen deinem Rücken, meint sie…»

Also auf dieser Seite auch ein Spion! Jaja, Spionin! Renate züchtet Verräter. Und Verräterinnen! Sie lässt sie meine geschwommene Strecke überprüfen! 

«Schöner Gruss übrigens von Mami. Du sollst noch nicht aufgeben!»

Ich knurre nur und stosse mich vom Rand ab.

Als ich tropfnass zu unserem Platz zurückkehre, finde ich meine Frau lesend vor. Oder lauernd?

«Siehst du, war gar nicht so schwer», meint sie. «Wie viele Meter hast du denn schon geschafft?»

«Drhnrt Meter.»

«Wie viel? Ich habe es nicht ganz verstanden.»

«DREIHUNDERT.»

«Zzzz! Das ist aber noch kein Kilometer!»

Ich nehme mein eines Badetuch und gehe, um mich an der Sonne aufzuwärmen. Immerhin muss ich heute nicht zehn Mal ins Wasser. Wenn ich das nächste Mal 400 Meter schaffe, muss ich am Abend nur noch ein drittes Mal für 300 Meter…


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