Aus der zweiten Reihe, Planetenweg 6

Vor dem Heimweg fragt Renate: «Wie viele Bier hast du eigentlich in deine Kanne gefüllt?»

«Bloss zwei…»

«Hm!»

«Was ist, Sohn? Hast du dich verschluckt?»

«Ich rechne nur gerade. Zwei mal 3,3 dl gleich 6,6 dl.»

«Was meinst du damit?»

«Deine Teeflasche hat doch 7,5 dl Inhalt?»

«Wo du Recht hast…»

«Du hättest dann also fast einen Deziliter bierlos gehalten?»

Meine Frau schaut mich nachdenklich an. «Sag bloss, du hast mit einer dritten Flasche aufgefüllt, und den Rest VOR der Abreise getrunken?»

Schuldbewusst senke ich meinen Blick. Ich kann ihr ja nicht beweisen, dass es alkoholfreie Biere waren. Wegen der Farbe habe ich «Amber» gewählt. 

«Du fährst mir nicht mehr nach Hause!», entscheidet sie. «ICH fahre.»

Der Rückweg verläuft normal. Heisst: Wir kommen in einen Verkehrsstau. Dauert auch gar nicht lange. Bereits kurz vor der Grenze zum Aargau kann Renate Gas geben. Um dann in den nächsten Stau zu kommen: Ein Unfall. Im Auto ist es eher still. Meine Frau straft mich ab, indem sie nicht mit mir spricht. Mir fällt nichts ein. Jedenfalls nichts, was mich mit meiner Frau aussöhnen könnte. Und die Kinder sind auch ganz still. Nein, sie schlafen nicht auf der Rückbank. Sie sind in ihre Smartphones vertieft. Die Tochter ist am Chaten, denn immer wieder gibt das Gerät einen kurzen Ton von sich. Der Sohn hingegen drückt wie wild auf der Tastatur herum. Wahrscheinlich ein Game. 

Zu Hause sagt Renate: «Für den nächsten Ausflug nimmst du KEINEN Rucksack mit!»

«Sag mal… Wie hast du das mit dem Tee herausgefunden?»

Sie lächelt. «Du hast mit der Zunge über die Lippen geleckt, als du die Flasche aufgemacht hast. Und da du Tee nicht liebst, ist mir ein Verdacht gekommen…»

Nächstes Mal müsste ich ja dann in der Raststätte das Bier ganz schnell hinunterschütten! 


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar