Aus der zweiten Reihe, Planetenweg 3

«So! Nun schaut einmal diese herrliche Landschaft an!», sage ich, als wir oben ankommen. Jaja, du hast recht: Vielleicht sollte man nicht mehr herrlich sagen. Wunderschön ist es da oben. «Was seht ihr denn da unten?»

Mein Sohn dreht den Kopf nach links. «Dampfwolke vom Kernkraftwerk Gösgen?» 

Ich klopfe ihm auf die Schulter. «Genau. Aber vielleicht siehst du ja noch etwas Schöneres?»

«Weiss nicht. Die Autobahn A1?»

Ich gebe ihm einen leichten Klaps gegen den Hinterkopf.

«Aua! Papa schlägt mich!»

«Blödmann!», sage ich zu ihm. «Was siehst DU?», frage ich meine Tochter.

«Da hinten sind, scheint’s, die Alpen»

Ich nicke. «Und zwischen uns und den Alpen ist das Mittelland. Was unten glänzt, ist die Aare.»

Meine Frau seufzt. «Dann wollen wir also starten. Gleich da hinten seht ihr schon die Sonne.»

„Ich dachte, die Sonne steht am Himmel“, grinst mein Sohn.

Bei der Infotafel lesen die Kinder den Text. «Also wenn ich das richtig verstanden habe, dann werden wir auf dem Weg etwa in Lichtgeschwindigkeit wandern», sagt der Junior. 

«Da bin ich ja erleichtert», sage ich. «Dann sind wir ja null-Komma-plötzlich wieder hier zurück.»

«Kleines Missverständnis, Paps!», sagt er und drück auf seinem Handy herum. «Dann sind wir in etwa acht Minuten erst bei der Erde.»

Mein Gehirn arbeitet. «Das ist aber gar keine gute Nachricht», realisiere ich. «Denn Jupiter zum Beispiel, ist – glaube ich – schon etwa eine Milliarde Kilometer von der Sonne entfernt…»

«Respekt, Alter!», grinst mein Sohn,

Ärgerlich schaue ich ihn an, und will ihm schon eine kleben.

«’Tschuldigung, ist mir so rausgerutscht», beeilt er sich. «So sagen wir es halt bei unseren Kumpels!»

«Bin ich neuerdings dein Kumpel?»

«Ist ja gut, Vater. Entsprechend haben wir also bis zum Jupiter schon fast eine Stunde.»

«Moment! Renate, du hast mir NICHT gesagt, dass wir mehrere Stunden unterwegs sind! Du hast von einem AUSFLUG gesprochen, nicht von einer WANDERUNG!»

«Soll ja auch gut für deine Fitness sein», lächelt sie. «Zeig mal deinen Rucksack!» Sie versucht ihn hochzuheben. «Spinnst du? Der ist ja irre schwer! Was hast du bloss alles eingepackt?»

«Wanderstöcke, Sackmesser, Sonnenbrille, Sonnencreme, Verbandzeugs,… Was man halt so braucht.»

Wir stapfen also – immerhin mit Lichtgeschwindigkeit – zu Merkur und Venus. Das ist ja auch schnell erledigt. Auch die Erde haben wir nach etwa zehn Minuten hinter uns. 


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