Aus der zweiten Reihe, Einkäufe 3

Aha! Ich soll also mit dem Velo hin. Sonst passe ich nicht in das Bio-Angebot. 

«Ist ja ganz nahe. Wie das Angebot: Alles aus der Region!»

Das will ich nun genauer wissen. Also schwinge ich mich aufs Fahrrad. Wie bitte? Nein, das geht ganz gut. Mindestens wenn ich Renates Velo nehme. Da muss ich mein Bein nicht so weit nach oben schwingen. Wie denn? Ich sei bequem? Das ist doch nur wegen der Hose. Die ist in letzter Zeit etwas eng geworden. Ging wahrscheinlich beim Waschen ein. Ich will doch nicht, dass die reisst! Renate bringt mich um, wenn sie die Hose flicken muss! Na ja, nicht wirklich, aber sie ruft dann aus wie ein Wald voll Affen. Ach komm schon! Du weisst, wie das gemeint ist: Sie flickt halt nicht besonders gern. 

Womit ich nicht gerechnet habe, ist die Schar Leute, die da bei den vier, fünf Ständen ansteht. Können diese Rentner denn nicht früh am Morgen einkaufen, wenn ich noch schlafe? Ja, auch die Rentnerinnen! Da stehen sie also mit ihren Einkaufszetteln. Die einen können ihre Schrift kaum mehr lesen. Die anderen glauben sich zu erinnern, dass sie da noch etwas anderes kaufen wollten. Aber was? 

«Nein, Sie brauchen mir den Salat nicht einzupacken», sagt eine Frau. «Ich hatte doch noch irgendwo einen Plastiksack. Aber wo?» Sie sucht ihre Einkaufstasche ab. «Oh, hier ist also der Karton, in den Sie die Radieschen bitte legen können!»

«Karl-Ludwig, sei doch so gut und lege die Karotten in diese Einkaufstüte», sagt eine Deutsche zu ihrem Jungen. Der nimmt das Pack Karotten in die eine Hand, den Plastiksack in die andere. Ich sehe das Unglück kommen, will noch etwas sagen, aber da liegen schon alle Rüebli am Boden. Ich will helfen. Schliesslich möchte ich ja heim – aufs Sofa. 

«Nein, lassen Sie nur. Der Karl-Ludwig kann das ganz gut alleine. Wissen Sie, wenn Sie ihm helfen, lernt er es ja nicht selbst zu tun!»

Aha! Maria Montessori lässt grüssen. Lasse ich es halt bleiben. Mein Sofa verstaubt unterdessen. 

«Das macht dann 32 Franken 60», meint die Verkäuferin. 

«Ach ja, ich sollte wohl noch bezahlen», lächelt die Deutsche. 

Ich denke, sie nimmt nun ihr Handy, um mit TWINT zu bezahlen. Oder eine Kreditkarte, um sie ans Lesegerät zu halten. Denkste! 


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