Er seufzt. «Es ist so. Wenn du so viel mit Geschäftsleuten zusammen bist, magst du nicht alle gleich gut.» Er macht eine Pause.
«Schon klar. Ich mag auf der Arbeit auch nicht alle. Aber ich muss ja nicht mit jedem bester Kumpel sein.»
«Genau.» Erleichtert setzt sich Gustav etwas bequemer hin. «Aber da gibt es Leute, die gehen mir auf den Wecker. Die wollen sich entweder einschleimen oder sich mir aufdrängen. Zum Beispiel unbedingt noch «einen trinken gehen», obwohl wir schon Business-Lunch hatten. Oder noch schlimmer: Abends in den Ausgang, sie wüssten da «eine heisse Nummer». Das stinkt mir. Ist bloss verlorene Zeit, bringt meist auch nichts fürs Geschäft. Ausser Ärger, wenn es Nelly erfährt, oder dich nachher jemand damit erpressen will, wenn du weisst, was ich meine.»
«Aber was hat jetzt dieses Hundefutter damit zu tun?»
Gustav ist fertig mit Essen, tupft sich die Lippen mit der Serviette ab und legt sie beiseite.
«Deshalb habe ich mir eben einen Hund zugelegt. Dann habe ich eine Entschuldigung: Ich muss leider mit dem Hund Gassi gehen. Oder ich muss ihn noch füttern.»
Ich komme nicht mehr draus. «Aber ich dachte, du hast gar keinen Hund?»
Gustav lächelt. «In Wirklichkeit habe ich keinen Hund. Aber ich habe einen. Einen imaginären. Ich sage: Ich muss mit dem Hund Gassi. In Wirklichkeit gehe ich dann sozusagen mit dem «Inneren Schweinehund», das heisst: eine Runde spazieren.»
«Hahaha! Guter Trick! Aber weshalb dann das Hundefleisch?»
Gustav kratzt sich am Kinn. Mich dünkt, er spannt mich absichtlich auf die Folter. «Kürzlich kam ich nicht darum herum, einige Kollegen zu mir nach Hause einzuladen.»
«Und?»
«Plötzlich fiel mir ein, dass mir das einige Probleme einbrocken könnte.»
«Warum denn?»
«Na, ein Kollege fragte zum Glück, was ich für einen Hund hätte.»
«Aha! Jetzt beginne ich zu begreifen.»
«Ich wollte schon sagen, dass ich gar keinen hätte. Dann fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass ich immer diese Ausrede gebraucht hatte. Also sagte ich ihm, ich hätte einen Boxer.»
«Ich dachte, du hättest einen Hund, hahaha!»
«Blödmann. Da fragt mich doch der Typ, ob der Hund denn gut erzogen sei. Ich frage zurück: Warum denn? Und er: Na, weil du so wenig von ihm erzählst: Weder von der Hundeschule noch von Begegnungen mit anderen Hunden, noch welche Kunststücke dein Hund kann.»
«Wie hast du denn da reagiert?»
Gustav lehnt sich zurück und lächelt überlegen. «Ich sagte ihm, ich hätte halt gedacht, dass er sich nicht für Hunde interessiere. Und übrigens hätte ich den Hund sowieso zum Hundesitter gebracht, damit er unser «Meeting» nicht störe.»
«Geschickter Schachzug!», lobe ich Gustav.
«Geht so. Beim Heimfahren fiel mir dann ein, dass ich unbedingt noch ein paar Accessoires brauche, um glaubhaft zu machen, dass normalerweise ein Hund in der Wohnung lebt…»
«Ach so! Deshalb das Hundefleisch.
Gustav nickt. «Und die Hundeleine. Die Bürste. Das Körbchen. Der Knochen. Spielzeug. Das Hundeshampo… Du hast keine Ahnung, was so ein Hund alles braucht! Schliesslich habe ich in der Kleintierhandlung ein halbes Vermögen ausgegeben. Zum Glück fiel mir am Schluss ein, was noch fehlte: Der Fressnapf!»
Ich kichere.
«Was lachst du so?»
«Weil dein imaginärer Sauhund ganz schön verwöhnt wird!»
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