Eigentlich lässt mich ja Renate nicht gern einkaufen. Warum? Ach, du weisst schon warum! Wie das? Genau! Wegen den Aktionen. Und den Frauen, die ein neues Produkt zum Versuchen anbieten. Was? Nein, da ist selten ein Mann! Ich habe jedenfalls noch keinen Mann gesehen, der mir Käse oder Oliven angeboten hätte! Oder wenn es Müsterli gibt an der Kasse. Da stehe ich dann halt auch mal viermal an der Kasse. Nein, nicht an der gleichen! Das würde ja dann auffallen…
Aber hin und wieder hat Renate etwas Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel ins Nail-Studio gehen. Oder zur Kosmetikerin. Da schickt sie dann halt mich. Sie meint, das gehe «im selben Aufwasch»! Neulich also bin ich auch auf dem Weg durch die Gestelle – schon eher etwas missmutig. Steht doch auf dem Zettel «Leinsamen». Was ist denn das? Und wo findet man es? Ich denke nach, aber mir fällt nichts dazu ein. Könnte das etwas Ähnliches sein wie Reis? Neben dem Risotto geht es weiter mit Linsen, Couscous, Mais… Oder gehört das eher zu den Cerealien? Da finde ich Porridge, Haferflocken und Hirse. Könnte natürlich auch zu den Backzutaten gehören…
«Ich habe Durst!», höre ich eine Kinderstimme.
«Wenn wir bei der Kasse vorbei sind, kannst du deine Cola bekommen.»
«Ich habe aber JETZT Durst!», quengelt der etwa Dreijährige. Die Mutter – entnervt – schraubt den Deckel ab. So gut das geht. Mit den heutigen Verschlüssen, die mit einer Verbindung gesichert sind. So dass der Deckel entweder gegen die Nase (günstigere Variante) oder das Auge stösst (ungünstigere Variante). Das Kind nimmt zwei Schlucke und wendet sich dann wieder seinem – angefressenen – Gipfeli zu.
Bin nun gespannt, ob die Frau an der Kasse Gebäck und Getränk bezahlt und beschliesse, unauffällig in der Nähe zu sein. Was ich nicht beachtet habe: Hinter mir steht ein Stapel mit Aktions-Teigwaren. Als ich also zurückweichen will, schrammt mein Einkaufswagen gegen den Stapel, worauf sich eine Teigwarenflut zu Boden bewegt.
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