Aus der zweiten Reihe, Vorbilder 5

Meine Mutter? Na ja, natürlich war sie ein Vorbild. Immerhin die erste Frau, die ich in meinem Leben wahrgenommen habe. Ich denke, SIE hat mich erzogen, Werte beigebracht. Wie bitte? Das mit dem Bier? Da hast du natürlich recht, das muss mein Grossvater gewesen sein!

Andere Frauen? Nee du! Die Nelly ist zwar ganz hübsch. Wenn die die langen, blonden Haare zurückwirft… Aber ein Vorbild? Hat sich ja nicht um Radioaktivität verdient gemacht wie die Marie Curie. Pflegt ja auch nicht Kranke und Verwundete wie die Florence Nightingale. Na ja, ein paar Worte mit ihr wechseln ist entzückend. Muss nur dabei aufpassen, dass ich ihr nicht zu lange auf den Ausschnitt sehe… Bin dann also nicht ganz entspannt, hahaha!

Ihr Mann, der Gustav? Der überrascht mich in letzter Zeit. Seit er mich nach dem Fitness-Studio zum Bier eingeladen hat. Ich glaube, der hat nicht wirklich Freunde. Nur so Geschäfts-Gimpel um sich ‘rum. Da schaust du bloss auf Prestige und Besitz. Wie bitte? Na, nicht DU, sondern diese Manager-Typen! Was hat der andere für eine Uhr? Von welchem Schneider kommt sein Anzug? Hat er italienische oder britische Schuhe? Läuft sein Wagen schneller als meine Karre? Ist seine Sekretärin blonder als meine? Fliegt er öfter in der Welt ‘rum als ich? Deshalb musste der Gustav bis vor kurzem auch bei mir angeben: Mit dem Einzigen, womit ich ihn wahrscheinlich nicht übertreffen würde: mit Wissen! Bei allem anderen kann ich ihn ja nicht wirklich bedrängen. 

Gustav sagt, seit er mich im Sport-Studio – so nennt er es – heldenhaft hat kämpfen sehen, verstehe er mich viel besser. Wahrscheinlich meint er damit, nun müsse er nicht mehr fürchten, dass ich ihn sportlich übertreffen könnte. Er hat mir auch gestanden, wie er sich seine Geschäftspartner vom Leibe hält. 


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