Frauen? Ich hätte bisher kaum über Frauen gesprochen? Und wenn, dann höchstens über solche, die mich an den Ohren gezogen hätten? Ich bitte dich! Meine Grossmutter väterlicherseits WAR ein Vorbild! Wie sie das Lädeli geführt hat! Immer hat sie die Übersicht gehabt: Wusste, was an Lager war, wann es an der Zeit war, etwas nachzubestellen, was vermutlich gut laufen würde, und wie man Ladenhüter loswerden konnte (und das lange vor dem Outlet-Zeitalter!). Und sie hatte eine Art Radar für Langfinger und Betrüger. Sie konnte ganz nett sagen: «Zeig mir einmal den Inhalt deiner Hosentaschen. Ich glaube, da ist etwas drin, das deine Finger schmutzig macht!» Und schon rückten die jugendlichen Betrüger einen Kaugummi oder ein Bonbon heraus. Kam das nicht zum ersten Mal vor, hat sie den Kerl halt am Ohr genommen. …Mädchen? Also entweder haben die nie ‘was geklaut, oder dann haben sie es besser gemacht als die Jungs. Oder Grossmutter hat bei ihnen ein Auge zugedrückt. Übrigens hat mir Grossmutter später ihr Geheimnis verraten: Sie hatte über der Ecke, welche sie nicht gut einsehen konnte, einen Spiegel montiert…
Die Grossmutter mütterlicherseits war super in der Küche. Ich weiss nicht, ob sie besonders gut kochen konnte. Aber ihr Kunststück war, dass sie mir Lebensmittel schmackhaft machen konnte, die ich zu Hause nie gegessen hätte. Den Spinat zum Beispiel bot sie mir nur gehackt als Tätschli an, Während meine Mutter ihn als schlampiges Kraut servierte. Pfui Spinne! Altes Brot hat sie in dünne Scheiben geschnitten, geröstet und in einer Bouillon als «Sonntagssuppe» verkauft. Keine Ahnung, wie sie es schaffte, mit Salat unterzujubeln. Womöglich mit viel Mayonnaise und Zwiebeln? Unübertroffen aber waren ihre Lebkuchenstücke! Vor allem, weil sie mir auch noch Butter draufschmierte.
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