Am Abend kam Grossvater heim. Er war in einem Verein. Wie bitte? Nein, ich weiss nicht mehr, in welchem. Aber er war glaub ich Kassier. Jedenfalls durfte ich mit dem Taschenrechner Zahlen zusammenrechnen. Das war ein grosses Ding mit einer Leuchtröhre. Wahrscheinlich einer der ersten Taschenrechner, die man kaufen konnte! Mann, hat diese Röhre schön geleuchtet: strahlend hellblau! Oh, entschuldige. Natürlich auch für Frauen… Ich glaube, ich durfte 37mal «plus» und «15» drücken. Wahrscheinlich mussten 37 Mitglieder – ja, auch Mitgliederinnen – 15 Franken bezahlen.
Dann hat Grossvater entdeckt, dass ich auf seinem Kalender Briefpost geschrieben habe. Da hat er geschimpft. Nein, geschlagen hat er mich nicht. Wahrscheinlich, weil Grossmutter herbeigerannt kam. «Was machst du auch für einen Lärm?», fragte sie.
«Der Bub hat auf meinen Kalender gekritzelt!»
Grossmutter schaute mich strafend an. «Ich habe dir doch gesagt, dass du nur auf Papier aus dem Altpapierstapel zeichnen darfst!»
«Ja, schon», murmelte ich und schaute betreten zu Boden. «Aber ich dachte, auf die Rückseite der Kalenderzetteli könne ich schon schreiben… Die sind so schön weiss, und die Post stellt ja auch nicht Briefe auf schon bedrucktem Papier zu!»
Der Grossvater lächelte verständnisvoll. «Weisst du was? Du kannst die alten Zettel haben. Die auf der linken Seite. Aber die neuen, auf der rechten Seite, die brauche ich noch. Verstanden?»
Ich war erleichtert. «Ja, Grossvater.»
«Und wenn du mir wieder einmal im Schuppen so tüchtig hilfst, kannst du auch eine Schreibblock bekommen. Dann kannst du richtig schöne Briefe schreiben!»
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