Aus der zweiten Reihe, Grossvater 6

In Grossvaters Büro herrschte Ordnung. Auf seinem Tisch hatte er einen Kalender. Da waren für jeden Tag Blättchen mit einer grossen Zahl. Man konnte diese Blätter wie bei einem Ringordner wenden, und dann erschien der nächste Tag. Mitten auf dem Tisch aber war eine Unterlage. Für jeden Monat war da ein riesiges Löschpapier. Darauf waren die Tage eines Monats drauf. Und unten noch der vorige und der nächste Monat mit allen Tagen in kleinerer Schrift. Am Ende des Monats konnte man ein Blatt entfernen, und der nächste Monat lag bereit. In einer Griffschale lagen verschiedene Schreibzeuge bereit: Ein Bleistift, ein Federhalter und ein eigenartiger Stift: auf der einen Seite blau, auf der anderen rot angespitzt. Dann lag auch ein Spitzer bereit. Und ein Roller, um die Tinte schneller zu trocknen, zum Beispiel eine Unterschrift. Am Rand des Tisches war eine Lampe befestigt, die man in verschiedenste Positionen bringen konnte. An der Seite gaben dabei Federn ein metallisches Geräusch. Dann lagen in der obersten Schublade auch verschiedene Lupen bereit, falls mein Grossvater etwas genauer untersuchen wollte. 

Ich wollte es meinem Grossvater gleichtun und ein Büro eröffnen. Aber Grossmutter wollte mich nicht an die Schubladen von Grossvaters Bürotisch lassen. Sie gab mir einen Bleistift und einige kleine Farbstiftstummel. 

«Wo kann ich denn draufzeichnen?»

«Schau im Altpapier. Da hat es sicher noch etwas.»

War das interessant! Vor allem die Werbesendungen! Da gab es vorfrankierte Antwort-Umschläge, Marken mit «ja» oder «nein, danke», die richtigen Gummi hinten drauf hatten. Bestellzettel, wo man ganz viele Dinge ankreuzen konnte. Uhren- und Schmuck-Kataloge, wo man Bilder ausschneiden und sie irgendwohin kleben konnte. «Grossmutter! Ich brauche noch eine Schere und Leim!»

Argwöhnisch kam sie herbei. «Was willst du denn machen?»

«Bildli ausschneiden und irgendwohin kleben.»

«Wohin denn?»

«Hast du eine Kartonkiste? Ich möchte ein Haus basteln!»

Sie seufzte, stieg aber in den Keller und brachte eine Schuhschachtel. 

Ich bastelte einen Postschalter, natürlich alles schön klein. Dann gestaltete ich mühsam einen kleinen Katalog, mit welchem man Bijouterie-Artikel bestellen konnte. Nun noch Marken, damit die Post alles zustellen konnte. 

«Mein Gott! Diese Schweinerei!», schimpfte Grossmutter. «Bald gibt es Mittagessen. Räum doch jetzt allen Abfall weg. Und verschliesse den Leim gut, nicht dass er mir austrocknet!»

«Schon gut, Grossmutter, das ist schnell erledigt.»


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