Wieder einmal war ich bei meinem Grossvater. Grossmutter hatte eine feine Gerstensuppe gekocht. Und er kam schon nach drei Uhr nach Hause. «Gehen wir noch in den Schuppen?», fragte ich erwartungsvoll.
Er schmunzelte. «Das können wir gerne machen.»
Ich rannte voraus, und Grossvater folgte mit dem Schlüssel.
«Warum schliesst du eigentlich den Schuppen ab?»
«Weisst du, da sind teure Sachen drin. Zum Beispiel über Nacht mein Traktor…»
«Aber das Haus schliesst du doch nie ab, und da ist sogar ein Tresor drin!»
Er lachte. «Der Tresor ist sicher. Da müsste man ja zuerst einmal die Kombination wissen.»
«Verrätst du sie mir?»
Er schüttelte den Kopf. «Sicher nicht. Wenn nur ich sie weiss, ist der Tresor sicher. Wenn du sie weisst, wissen es in Kürze hunderte von Menschen!»
«Gar nicht wahr, ich kann gut ein Geheimnis bewahren!», schmollte ich.
«Später vielleicht», meinte Grossvater.
Grossvater hatte alte Kleider mitgebracht und zerriss sie. «So, jetzt kannst du die Ware putzen, die ich kürzlich erhalten habe.»
«Warum muss man alle Sachen putzen? Du verkaufst sie ja doch wieder und hast nichts davon.»
«Da irrst du dich. Wenn die Gegenstände sauber geputzt sind und glänzen, kann ich viel mehr dafür verlangen, als wenn sie dreckig und unansehnlich sind.»
Die Arbeit war streng, der Dreck liess sich nicht gut entfernen. Bald schwitzte ich. Da hatte ich eine gute Idee – dachte ich mindestens.
«Sag mal, Grossvater: Möchtest du nicht ein Bier?»
Er schaute mich schräg an. «Weisst du, Junge, das ist schön von dir, dass du an mich denkst.» Er schwieg einen Moment. Dann schaute er mich prüfend an, bis ich wegsehen musste. «In meiner Jugend wurde mir beigebracht, dass man zuerst arbeitet, und nachher ein Bier verdient hat: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen! Lass uns also zuerst alles putzen. Danach können wir dann zusammen ein Bier trinken.» Es war eine langweilige Arbeit. Aber wir putzten verbissen, bis die Grossmutter auftauchte.
«Aha, da steckt ihr! Hab mir schon Sorgen gemacht!» Sie staunte. «Hier glitzert und glänzt es ja überall! Waren das die Heinzelmännchen? Übrigens: Das Nachtessen ist fertig.»
Ich glaube, es hat mir noch kein Nachtessen so gut geschmeckt. Es gab Wurst-/Käsesalat. Und ein Bier. Sogar ein ganzes Fläschchen. Danach bin ich ins Bett gefallen und habe geschlafen wie ein Stein. Als ich am nächsten Abend nach Hause zurückkehren wollte und mich verabschiedete, gab mir mein Grossvater ein Couvert. «Erst zu Hause öffnen!», zwinkerte er mir zu. Als ich es daheim aufmachte, war eine Karte drin mit vier Fünflibern. Die habe ich in mein Sparschwein getan. Später brachte ich es nicht übers Herz, sie auszugeben. Mein Grossvater hat mir verraten, dass es alte Fünfliber seien, noch solche aus richtigem Silber.
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