Aus der zweiten Reihe, Grossvater 3

Es könnte natürlich auch sein, dass einzelne Leute den Schuppen meines Grossvaters mit einer Deponie verwechselt haben. So stand etwa eines Tages ein alter Traktor davor. Grossvater runzelte erst die Stirn. Aber dann hellte sich seine Mine auf. «Komm mit», sagte er zu mir. Wir fuhren zu einem Bauern in der Nähe. Der begrüsste uns mürrisch. 

«Sag mal Karl», begann Grossvater, «ich habe dir doch neulich…»

«Schon gut», knurrte der andere, «Ich schulde dir noch etwas. Was willst du?»

«Du hast doch an deinem Traktor so eine Vorrichtung, mit welcher du schwere Sachen hochheben kannst…»

Der andere lächelte plötzlich. «So wie mit einem Gabelstapler meinst du?»

«Genau. Wo hattest du die her? Und war das nicht ein Bührer-Traktor?»

Der andere nickte.

«Könntest du mir diese Vorrichtung an meinen Traktor montiere? Ich meine, wenn ich sie bestellt habe…»

«Seit wann hast DU denn einen Traktor?», fragte Karl misstrauisch.

«Ist mir sozusagen zugelaufen…»

Karl kratzte sich ausgiebig das stopplige Kinn. «Und dann? Sind wir dann quitt?»

Jetzt nickte mein Grossvater. Dann gaben sich die zwei die Hand. SO funktionierte damals ein Deal!

Grossvater fuhr zufrieden mit mir zurück. Kaum bei sich angekommen, setzte er sich ans Telefon. Und einige Tage später, als ich das nächste Mal bei meinen Grosseltern war, hatte Karl die Vorrichtung schon montiert. 

Der Traktor hat Grossvater aber noch einmal geärgert. Vielmehr: Der Nagel, der im Hinterreifen steckte. «Ich kann mir nicht erklären, wie der Nagel in den Hinterreifen kommt», ärgerte sich Grossvater, «wir sind doch ordentlich und wischen den Boden immer sauber auf!»

«Und wenn sich jetzt jemand über deinen «neuen» Traktor ärgert?»

Grossvater dachte nach. «Du meinst, weil ich jetzt nicht mehr schwere Sachen hochheben muss?»

«Vielleicht auch, weil du ihn hast revidieren lassen, und er so gut läuft…»

Mein Grossvater lächelte. «Der Traktor ist mir lieb geworden. Und seit er hier ist und gepflegt wird, läuft er wirklich tadellos…»

Er ging ins Haus und telefonierte. Bald kam ein unauffälliges Auto. Es fuhr bis in den Hof. Ein Mann in einem blauen Overall beeilte sich, den Pneu zu flicken. Er war geschickt, und nach kaum einer Stunde konnte der Reifen aufgepumpt werden. Grossvater verabschiedete sich und steckte dem Mann etwas zu. 

«Warum hast du dem Mann etwas gegeben?»

«Weisst du, er kann das über die Pannenhilfe abrechnen», meinte Grossvater. «Und so hat er noch etwas dazu…»


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