Ich sehe ihn noch, wie er hinter dem Verkaufstisch stand: Den Stumpen im Mund, den Hut ein kleines Bisschen schräg auf dem Kopf, ein Bier neben sich… Wie bitte? Von daher hätte ich das mit dem Bierchen? Hehehe! Könnte schon sein! Wenn Grossvater mit einem Kunden in den Schuppen ging, habe ich jeweils einen Schluck aus dem Glas genommen. Oder zwei. Und dann einfach Wasser nachgefüllt. Ob das nicht aufgefallen ist? Mit der Zeit schon, weil ich immer mehr getrunken habe! Einst rief Grossvater: «Rosa! (das war meine Grossmutter) Bring mir doch ein anderes Bier! Das hier ist wässerig! Wenn’s ein Wein wäre, würd’ ich sagen, es hat Zapfen!»
Meine Grossmutter hat’s gemerkt. Oder Grossvater hat mich durchschaut. Am Abend hat sie mich am Ohr gepackt und gut zehn Zentimeter nach oben gezogen. Und hat mein Ohr nicht so schnell wieder losgelassen. Um Schlimmeres zu verhüten, musste ich wohl oder übel aufstehen. «Mach das nie wieder!», drohte sie mir. «Man trinkt nicht anderer Leute Bier!» Dann, etwas freundlicher. «Kannst doch dein eigenes Bier haben, dummer Junge! Aber übertreib nicht. Sonst merkt’s deine Mutter!»
Grossvater hat auch für andere gebürgt. Gab ja damals noch keine Kleinkredite. Das ging auch nicht immer gut. Also hat er sein Geld abschreiben können. Die Schuldner gaben ihm dafür Naturalien. Zum Beispiel Hausrat: Kommoden, Stühle, Küchengeräte. Schon gut, natürlich gab es auch Schuldnerinnen. Bin mir gar nicht sicher, ob die nicht zuweilen auch Sachen anderswo geklaut haben. Es sei denn, mein Grossvater hätte hin und wieder auf einer Baustelle etwas mitlaufen lassen. Im Schuppen standen nämlich diverse beschriftete Artikel herum: Schaufeln von Baugeschäften in der Region, Gliedermeter von diversen Schreinereien und Maurergeschäften, Zangen und Hämmer von Schlossern, Kessel mit Pinseln und Schachteln mit Schleifpapier von Malern, und so weiter.
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