Meine Vorfahren? Also mein Grossvater, das war eine Nummer! Wie bitte? Nein, väterlicherseits. War eigentlich Kaufmann, Teilhaber an einer Firma. Hat da tagsüber gearbeitet. Abends kam er heim und hat Grossmutter geholfen. Die haben nämlich noch ein Lädeli geführt. Da konntest du alles kriegen. Zumindest solche Sachen, die nicht nächste Woche schon kaputt gingen. Gab ja damals noch kein Ablaufdatum. Wie auch immer… Bin mir nicht sicher, wie Grossvater an die vielen Sachen kam. Jedenfalls lud er, wenn er heimkam, immer zuerst sein Auto aus.
Nein, nein, versteh mich nicht falsch. War ja nicht so, dass er bei der Mafia gewesen wäre und Schutzgeld eingetrieben hätte! Könnte mir eher vorstellen, dass er manchmal etwas zugesteckt bekam, wenn er Waren etwas günstiger lieferte. Auf jeden Fall gab es hinter dem Haus einen Schuppen. Und wenn einmal etwas nicht «am Lager» war, oder wenn etwas nicht «offiziell» über den Tresen durfte… Was meinst du? Na, zum Beispiel Schnaps vom Bauern… Was? Halt «schwarz» gebrannt. Hahaha! Nein, nicht verkohlt! Eben unerlaubt gebrannt! Ungefähr wie «blau machen»… oder über die «grüne Grenze» kommen… Lustig, wie du mit Farben schummeln kannst. Beruhige dich! Ich meinte: Wie man mit Farbe etwas vertuschen kann… Ja, natürlich! Frau auch!
Wie bitte? Ach ja, es ging ja um meinen Grossvater. Ob er ein guter Kaufmann war? Glaub’ schon. Aber er war auch ein gutmütiger Kerl. Wollte im Krieg jemand etwas, der nicht viel hatte, schenkte er dem manchmal etwas dazu, Butter oder ein paar Eier. Hatte er wiederum von Bauern, die ihm «schwarz» etwas für Verwandte in der Stadt gaben, wenn er zum Beispiel Backsteine lieferte. Ist ja auch blöd, mit einem Lastwagen leer zurückzufahren. Und der Bauer blieb nicht auf dem Fleisch sitzen. Was: War nicht erlaubt? Sogar kriminell? Das war menschlich! Eine Hand wäscht die andere! Damit wurde Grossvater nicht reich. Woher ich das weiss? Von meinem Vater natürlich.
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