Aus der zweiten Reihe, Freizeit 7

«Nimm die Pfanne vom Herd!», schreit jetzt meine Frau.

Endlich sehe ich ein Symbol. In diesem Moment fängt der Herd zu piepsen an, viele Lämpchen leuchten auf. Ich weiss nicht mehr, was tun. Da steht Renate neben mir und hält die Pfanne schon in der Hand. «Warum machst du nichts?»

Ich weiss es selbst nicht. «Das Medikament…»

Sie schüttet, was von der Sauce zu retten ist, in eine andere Pfanne und reinigt den Herd. Dann gibt sie mir das Hemd. «Und zieh dir auch eine andere Hose an», sagt sie. «Jeans!» Sie schüttelt verständnislos den Kopf. 

«Möchtest du nachher ein Bierchen…?»

«ICH will kein Bier. Und DU auch nicht. Aber du kannst im Keller einen GUTEN Wein holen, und ihn schon temperieren.»

Schneiders sind Weinkenner. Oder besser gesagt: Gustav behauptet, Weinkenner zu sein. Während er Nelly probieren lässt, öffnet er seine Äpp auf dem Handy und prüft, ob der angebotene Wein genug Punkte gekriegt hat. Wenn seine Frau den Wein gut findet (und das tut sie meines Wissens immer) und der Wein über 90 Punkte bekommen hat (von wem auch immer), dann kann man Gustav auch einschenken. Er tut dann so, wie wenn er drauskommen würde: Schiebt den Wein im Mund hin und her, gurgelt damit unanständig, schluckt ihn dann mit geschlossenen Augen hinunter und verkündet SEIN Urteil. Halt so Adjektive wie «blumig» und «erdig», oder ein Kommentar zum «Abgang». Er tut dann auch noch, wie wenn er mit zweimal leer schlucken noch eine Ergänzung nachschicken müsste. Ich habe ihn noch nie einen Wein verreissen gehört, obwohl meine Frau schon mal bei einem Wein sagte: «Den trinke ich nicht. Der ist mir zu sauer!» Da war ich echt froh und bestaunte ihren Mut. Denn ich fragte mich schon, mit welcher Ausrede ich ihn hätte stehen lassen können. Na ja, heute könnte ich ja den Entzündungshemmer als Joker ausspielen…


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