«Wollen Sie nicht doch lieber eine Schmerzspritze?», fragt sie besorgt.
Ich nicke, ohne sie anzusehen.
«Es geht ein Moment, bis die Wirkung einsetzt», sagt sie und sticht, fast ohne dass ich es merke, in mein Zahnfleisch.
Dann geht es recht schnell. Die Füllung noch hineindrücken, aushärten…
«Und denken Sie daran: Im Moment haben Sie noch kein Gefühl an der geflickten Stelle…»
Nach dieser Rosskur habe ich ein Bierchen verdient. Jaja! Kein Geschichtchen ohne Bierchen! Könnte auch jetzt eins vertragen. Wobei: Damals war das keine gute Idee! Die hatten am Kiosk nur Dosenbier. Wollt’ ich mir also genehmigen. Ziehe die Lasche hoch, drücke den Ring zurück und freue mich auf den ersten Schluck. Da läuft mir schon Bier in den Kragen! Hatte doch glatt vergessen, dass nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch Zunge und Lippe zum Teil gefühllos sind!
«Schau mal, der Opi dort!», höre ich eine Kinderstimme, «das ist glaub’ ich nicht sein erstes Bier heute!»
«Der sollte sich schämen. Sicher so ein Stadt-Penner!», antwortet die Mutter.
«Oder ein Drögeler. Hat vielleicht noch keinen Stoff bekommen», meint eine Begleiterin.
Ich gehe verlegen um die Ecke. Da sitzt einer und raucht einen Joint. Ich halte ihm die Bierdose hin.
«Verpiss dich, Alter, ich kann mein Bier schon selber holen!», sagt er.
Was nun? Kann ja mein Bier schlecht in die Jackentasche stellen. Gehe also schliesslich auf die Toilette. Mist! Da muss man heutzutage zahlen, wenn du rein willst. Klaube also einen Franken aus dem Portemonnaie. Stelle das Bier auf das Lavabo. Verrichte mein Geschäft. Wasche mir die Hände. Trockne sie an einem Handtrockner, der alle Wassertropfen an die Wand dahinter schleudert. Und will gehen.
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