«Da haben Sie aber ganz schön viel Zahnstein», beginnt sie ihre Analyse. «Und hinten links oben, das ist nicht bloss das Zahnfleisch, das ist ein Loch. Zum Glück noch recht klein, aber das müssen wir sofort flicken. Welche Füllung möchten Sie?»
«Ächöm…
Die Assistentin entfernt die Absaug-Geräte.
«Was gibt es denn für Möglichkeiten? Amalgam, Gold, …»
«Also ich empfehle Ihnen Keramik.»
«Aber kann das nicht zerbrechen?»
Sie lächelt. «Nein, das ist zurzeit die günstigste und sicherste Lösung. Es sind auch kaum Nebenwirkungen bekannt. Nicht wie bei der Amalgam-Füllung.» Offenbar hat sie meine Akte gut studiert! Sie weiss, dass ich nichts Teures will.
«Also gut. Keramik.»
Sie schickt die Assistentin mit einem Auftrag weg.
«Möchten Sie eine Schmerzspritze?»
«Ach was!», sage ich leichthin. Das macht nur die Sache teurer. Und meine Kumpels sagen immer, das sei nur für Memmen. Ich bin doch kein Feigling.
«Wie Sie meinen. Aber es wird schon etwas weh tun…»
Ich schüttle den Kopf.
Die Assistentin kommt zurück. Die Prozedur beginnt. Ich sehe das Gesicht der Zahnärztin über mir. Sie hat sich einen Mundschutz übergezogen. Nun sehe ich in ihre Augen. Grün gesprenkelt. Ihre Augenbrauen sind nachgezogen. Ein Haar-Strähnchen hat sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst und fällt auf ihre Stirn.
Der Bohrer kreischt auf. Ich zucke etwas zurück. Dann knirscht es in meinem Kiefer. Und ein Stich zuckt durch meinen Körper. Tränen schiessen mir in die Augen. Meine Hände verkrallen sich in die Armlehne. Meine Zähne wollen unbedingt auf die Geräte in meinem Mund beissen. Die Augen über mir sind weit aufgerissen. Der Stich hört auf, es bleibt ein dumpfer Schmerz.
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