Aus der zweiten Reihe, Zahnarzt 6

«Wenn Sie zuerst spülen würden…»

Gehorsam nehme ich einen Schluck. Au! Ist das Wasser kalt! Trotzdem gurgle ich damit. Und spucke das Wasser in den Becher zurück. Weil ich kein Waschbecken sehe. 

«Sie können jeweils hier in den Ablauf spucken», zeigt sie mir nun den richtigen Ort, nämlich den Untersetzer, auf dem der Becher vorher stand. Tatsächlich ist da ein kleines Loch. Wie kann das einen ganzen Schluck Wasser aufnehmen? Verdutzt blicke ich auf die Stelle. Sie lächelt und nimmt mir den Becher aus der Hand, leert ihn in den Abfluss, stellt einen neuen Becher hin, und der Becher füllt sich wieder mit Wasser. Ohne auf einen Knopf zu drücken. Ein Wunder!

«Wenn Sie jetzt den Mund öffnen würden…»

Ich kriege ihn ja fast nicht zu vor Staunen. Mir scheint, der ganze Raum wurde neu eingerichtet. Bevor ich es mir recht versehe, beginne ich nach hinten zu kippen. Die Ärztin legt mich flach! Dafür fährt sie den ganzen Stuhl etwas höher. «Liegen Sie bequem?»

Nein! Ich spanne bereits meine Muskeln, verkrampfe mich in die Armlehnen. «Es geht…»

Nun beugt sie sich über mich. Bereits hat sie Werkzeuge in der Hand. Eine Art Haken und einen kleinen Löffel. Ah nein! Das ist natürlich der Spiegel. 

An meiner linken Seite bewegt sich noch jemand. Die Assistentin hängt mir einen S-förmigen Schlauch an die Lippen und führt einen Spucke-Sauger nach. Dann beginnen hässliche Spülgeräusche. Und die Ärztin beginnt ihre Folter. Sie sticht in die Zahnzwischenräume und rückt energisch nach oben. Dies wiederholt sie, bis sich in mir jeder Muskel verkrampft hat. «Geht es? Entspannen Sie sich ruhig!»

Was soll ich antworten? Dass dies mein Lieblingsort für Meditation sei?


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