Aus der zweiten Reihe, Wetter 6

Dann ist es schon Mittagszeit. Wir gehen ins Restaurant. Es giesst immer noch. «Wo hast du eigentlich unsere Schirme?»

«Ups! Im Warenhaus stehen lassen…», fällt mir ein.

«Egal», meint sie. «Wir kaufen neue. Einen modischen Knirps für mich, einen noblen schwarzen für dich.»

Mit neuen Regenschirmen steuern wir unserem Mittagessen entgegen. Nach dem Essen – und zwei Bierchen – fällt es mir schwer, mich bis zu den Schuhbändeln zu bücken. «Weisst du, Schatz», beginne ich, «ich glaube, die alten Schuhe sind noch ganz gut…»

«Oh, nein!», entscheidet sie, «du kaufst heute neue Schuhe! Und zwar nicht die billigsten beim Schuh-Discounter. Wir gehen ins Schuhhaus in der Altstadt!»

Das hat immerhin den Vorteil, dass eine hübsche Verkäuferin einem in die Schuhe hilft und sogar die Schnürsenkel verknotet. Ja, ich glaube, auch EINER würde sie das tun! Dafür japse ich fast nach Luft, als sie die Preise nennt. Dazu betont sie stets, dass dies ein «italienisches Modell» sei, oder der Schuh aus «englischem Leder» hergestellt wurde.

Renate will, dass ich einen «Abendschuh» kaufe, mit dem sie mich auch in eine Operette oder einen anderen noblen Anlass mitnehmen kann. Dann brauche ich – gemäss meiner Frau – Wander- und Turnschuhe. Und noch Sandalen. Aber nicht irgendwelche. Sie sollen sportlich aussehen. «Sozusagen Trecking-Sandalen», meint sie. «Und dann noch Hausschuhe. Aber nicht so «Grossvater-Pantoffeln»!», warnt sie. 

Es hat aufgehört zu regnen. Schwer beladen kehren wir zum Auto zurück. «Wo hast du eigentlich unsere neuen Schirme hingetan?», fragt meine Frau, als ich die Kofferraum-Klappe schliessen will.


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