Dass wir in einer Demokratie leben dürfen, ist vielen viel zu selbstverständlich. Wir profitieren von Freiheit und Sicherheit, ohne es zu merken. Ähnlich wie ein Gesunder davon ausgeht, dass er auch morgen gesund ist. Und doch ist es leicht möglich, dass wir eines Tages krank aufwachen und froh sind, wenn ein Arzt oder eine Apotheke da sind. Was also sollte ich tun, um diese Demokratie zu stärken?
Die Demokratie in Frage stellen
Warum soll ich die Demokratie in Frage stellen? Die Demokratie ist die beste aller Regierungsformen. Dennoch hat sie ihre Schwächen. Zum Beispiel braucht es seine Zeit, bis ein neues Gesetz entstanden ist. Überhaupt brauchen Entscheidungen viel Zeit. Wenigen Nicht-PolitikerInnen ist klar, wie das funktioniert. Viele Menschen denken, man müsse nur ein bisschen auf den Tisch hauen, dann verändere sich – dank des Stammtisches in der Beiz – die Politik in der Schweiz. Wenn dies nicht funktioniert, sind eben «die in Bern» oder in der Kantonshauptstadt schuldig. Schön wäre es, wenn Politik einfach wäre. Aber viele Themen sind heute verknüpft mit anderen. Und in der Schweiz sucht man Lösungen, wo verschiedene Parteien daran mitgearbeitet haben. Wenn ich etwas für die Demokratie tun will, so höre ich mir die Argumente anderer Parteien an und lehne sie nicht deshalb ab, weil gerade diese Partei sie geäussert hat. Was ist an der Idee gut? Kann man selbst sie weiter entwickeln? Kann man eine Verbesserung beisteuern? Kann ich mit anderen eine Mehrheit für diese Idee finden? Gibt es eine nationale Lösung, oder soll es kantonale Varianten geben? Jeder Bürger, jede Bürgerin sollte sich mit Politik auseinandersetzen, sich eine Position überlegen, seine/ihre Gedanken beisteuern, an der Urne abstimmen und wählen gehen. Eine Demokratie funktioniert auf die Dauer nicht mit einer Minderheit von 46,7 % der Stimmen (Stand 2023, national).
Die Demokratie stärken
Wie kann ich die Demokratie stärken? Die Demokratie lebt davon, dass Menschen zusammenleben. In der heutigen Zeit leben viele Menschen nicht mehr mit Menschen zusammen, sondern mit den sozialen Medien. Sie kapseln sich ab in ein eigenes System, in welchem sich nur noch Menschen bewegen, die ungefähr dieselbe Meinung haben. In dieser Bubble werden Meinungen und Reaktionen auf Aussenstehende immer radikaler. Die Beteiligten stärken sich gegenseitig in ihrer Haltung.
Wenn ich mit Leuten anderer Meinung respektvoll spreche, stelle ich mich der Aussenwelt, reibe mich daran und kann eventuell neue Erkenntnisse gewinnen. Damit das gelingt, muss ich zuhören und Argumente der Gegenseite gelten lassen. Ich muss auch meine eigene Position reflektieren können. Beides braucht Übung. Vielleicht ist das in der Familie und im Freundeskreis möglich? Wäre doch eine Alternative zum Display…
Was kann ich für die Demokratie tun?
Engagement ist nicht nur in der Politik möglich. Und sie ist im Umfeld des Einzelnen möglich. Rufst du das Bauamt an, weil deine Strasse nicht sauber geputzt ist? Oder kannst du selber für Sauberkeit sorgen? Nimm einen Besen, wische! Lies den Abfall auf, entsorge ihn in einem öffentlichen Abfalleimer oder zu Hause. Oder sag es der Person, die den Abfall weggeworfen hat in einem Tonfall, den auch du gerne hören würdest.
Stört dich jemand in der Nacht? Musst du da die Polizei rufen? Oder getraust du dich, die Verursachenden anzusprechen? Oft genügt es, mit den Menschen zu sprechen. Denn meistens sind sie sich nicht bewusst, dass ihr Lärm andere stört.
Wenn dich jemand um Hilfe bittet, stehe ihm zur Seite. In vielen Fällen haben wir Zeit und Kraft genug. Du darfst auch helfen, wenn die betroffene Person sich nicht getraut, um Hilfe zu bitten. Sprich sie an, die meisten sind dankbar. Und du weisst ja: Nett sein ist gutes Karma. Und Karma schlägt irgendwann auf dich zurück.
Du ärgerst dich? Schade. Denn wie ein berühmter Mann sagte: Ärger schadet nicht nur dir selber, sondern auch den andern. Also ist Ärger für niemanden gut.
Deine Meinung kundtun
Wie du in den Wald hineinrufst, so tönt es heraus. Behandle also Leute respektvoll. Bei der täglichen Begegnung wie auch auf sozialen Medien. Wie wäre es, wenn jemand anders sich so über dich äussern würde, wie du es im Moment tust? Hast du nicht auch schon einen Fehler gemacht und warst froh, dass man dir verziehen und geholfen hat? Wer schuldlos ist, werfe den ersten Stein!
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