Du gehst also zum Wartzimmer. Na ja, eigentlich nur eine Wartereihe von Stühlen. Füllst alle Positionen aus wie «Vorerkrankungen», «bisherige Operationen» oder «Allergien». Nachdem du den Zettel abgegeben hast, schaust du dich um. Früher gab es in Wartezimmern ja noch einen Stapel mit alten Heftli. Heute hast du bloss noch zwei, drei Illustrierte mit Wohnideen oder extravaganter Mode. Vielleicht noch einige Prospekte über aktuelle Krankheiten. Oder Werbung für Medikamente, die «in» sind. Gut, hat ja heute auch jeder ein Handy. Jaja, auch jede. Das ziehst du halt dann aus der Hosen- oder Jackentasche und gehst nochmal deine alten Mails durch, versicherst dich, dass dir niemand auf WhatsApp geschrieben hat, scrollst die News durch, ob du nichts verpasst hast oder schaust blöde Filmchen auf Youtube. Zwischendurch schaust du auf die Uhr, denn unterdessen solltest du schon in einem Behandlungszimmer untersucht werden.
Dann öffnet sich der Behandlungsraum. Jemand kommt raus, der Arzt geht sich die Hände waschen und du denkst, warum kann dich eigentlich keine hübsche Ärztin behandeln. Und was ist dann, wenn du zur Hautuntersuchung gehst, und da ist eine hübsche Ärztin, und du muss dich bis zur Unterhose ausziehen? Will mich ja nicht beklagen. Mein Arzt ist nett. Er versucht mir auch immer alles genau zu erklären. Wo schmerzt es genau? Wie lange geht das schon so? Haben Sie schon über eine Ernährungsberatung nachgedacht? Jetzt kommt der auch noch! Die paar Kilo, die ich zu viel habe! Bewegen Sie sich oft? Treiben Sie Sport? Du meine Güte! Fast wie meine Frau! Jetzt will er mir auch noch Physio-Therapie-Stunden verschreiben! Habe den Verdacht, die versuchen einem dort beizubringen, dass man halt mit den verdammten Beschwerden leben muss. Was sagt er noch? Weniger Kohlenhydrate. Im Alter mehr Proteine? Ich bin doch nicht alt. «Ja», sagt er, «aber ein älterer Herr!»
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