Warum ich nicht auf meinen Arzt höre? Ich höre ja auf ihn. Ich nehme die Medikamente, die er mir verordnet. Aber mal ehrlich: Ein Arztbesuch ist eine wahrhaftige Expedition. Du hast eine Beschwerde und willst zum Onkel Doktor. Zuerst musst du dich anmelden. Da geht manchmal gar nichts: «Alle unsere Leitungen sind momentan besetzt. Rufen Sie uns später wieder an!» Und schon bist du wieder aus der Leitung. Oder: «Praxis Dr. Meier, einen Augenblick…» Dann läuft ein Band mit Musik. Im besseren Fall wirklich Musik von Radio Swiss-Pop. Im schlechteren ein elektronisches Gedudel in einer Endlosschleife. Und nach einigen Minuten kann es passieren, dass du kommentarlos aus der Verbindung gekappt wirst. Am Nachmittag habe ich mein Vorhaben vergessen, bin ja am Arbeiten. Am nächsten Morgen kommst du gar nicht durch, ständig ist die Leitung besetzt. Zwei Tage später ist Donnerstag… Dann endlich schaffst du es an einem Nachmittag. Und es gelingt dir sogar, ein Date abzumachen.
Dann gehst du hin. Da sitzt eine Praxisassistentin an der Rezeption. Zuerst will sie deine Krankenkassenkarte sehen. Zum Glück hat mir die meine Frau eingepackt. Dann musste ich neulich einen Zettel unterschreiben. Weil die neue Bestimmungen haben. Die wollen ja alle Akten digitalisieren. Damit die Betrüger aus dem Darknet noch mehr von uns hacken können. Also eigentlich, damit Versicherungen, Ärzte und Spitäler die Informationen über mich besser austauschen können. Und feststellen können, ob ich ein Risiko-Patient bin. Weil ich das erste Mal in dieser Praxis bin, muss ich auch noch einen Fackel für die Praxis ausfüllen. «Das können Sie im Wartebereich machen, gleich vorne um die Ecke. Sie können mir das Formular nachher zurückbringen. Benützen sie die Garderobe hier oder beim Wartebereich .»
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