Wir gehören zu den letzten, die hochfahren. Oben angekommen, werden zuerst alle Teilnehmenden über den Ablauf informiert. Ohne Schutz der Häuser ist es ziemlich kalt. Ich hätte doch eine Mütze anziehen sollen. Endlich dürfen wir die Fackeln entzünden und die Abfahrt beginnt. Es sieht wirklich toll aus! Diese lange Lichterschlange! Da verschlägt es mir die Ski und ich liege am Boden. Eifrige Hände helfen mir wieder auf. Im flackrigen Licht versuche ich wieder in die Bindung zu steigen. Meine Hüfte schmerzt. Und die rechte Hand. Wollte halt im Sturz die Fackel nicht loslassen, ich Depp. Eine Jemandin entzündet meine Fackel, die ausgelöscht war. «Fokussiere auf die Piste!», rät mir meine Frau.
«Wohin sollte ich denn sonst schauen?»
«Hab’ schon bemerkt, dass du der jungen Frau tief in die Augen geschaut hast!»
Überrascht frage ich: «Welche junge Frau?»
«Na die, die dir die Fackel wieder angezündet hat!»
Ich schüttle den Kopf. «Wie kannst du das in dieser Dunkelheit sehen? Hast du Luchsaugen? Du bildest dir doch das nur ein, weil du eifersüchtig bist!»
«Pass auf, Schatz! Ich sehe im Gegensatz zu dir gut bei Nacht!»
Wir fahren weiter. Ich denke noch an die Jemandin. Ich bilde mir ein, sie habe dunkle Haare und grüne Augen gehabt.
Unten angekommen suchen wir unsere Kinder. Sie stehen mit anderen Jugendlichen zusammen. Wir gehen zum Auto zurück. Es ist schwierig, aus dem Parkplatz zu kommen. Danach herrscht wegen der Enge ein Verkehrschaos. Endlich kommen wir zu einem Parkplatz in der Nähe eines Restaurants. Auch hier wird es eng, weil viele Autos parkieren möchten. Endlich steigen wir aus und suchen nun einen Platz im Restaurant. An einem Tisch mit Eckbank sind noch vier Plätze frei. Wir sitzen noch nicht richtig, da schreit meine Frau: «Tochter! Was sind das für Flecken auf deiner neuen Jacke?»
Diese schaut auf ihre frisch gekaufte Ski-Jacke. «Die waren heute Nachmittag noch nicht da», sagt sie hilflos.
«Aha! Dann sind es wohl Wachsflecken! Wie kriege ich die da bloss wieder raus?»
«Ganz einfach», antwortet unser Sohn wichtig, «mit dem Bügeleisen und Löschpapier!»
«Himmel», stöhnt meine Frau, «du hast keine Ahnung! Erstens haben wir hier kein Bügeleisen, zweitens kein Löschpapier, und drittens schmilzt doch dann nicht nur das Wachs, sondern auch die Kunstfasern dieser Jacke!»
«Dann halt in die Gefriertruhe und mit dem Messer abkratzen!», schlägt unser Sohn in einem zweiten Versuch vor.
«Blödmann!», entgegnet unsere Tochter, «das ruiniert doch die Jacke auch!»
«Ich war ja von Anfang weg gegen die Fackelfahrt», murmle ich.
«Spassbremse! War doch romantisch», sagt meine Frau.
MEIN Abend jedenfalls ist ruiniert. Meine Hüfte und meine Hand schmerzen, der Punsch riecht nach Silage und das Bild der jungen Frau verschwindet langsam vor meinen Augen…
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