Die Krähe Bertha hatte die Reihenhäuser im Auge. Ihr Ausguck war dazu gut gewählt: Auf dem Dach des Wohnblocks gegenüber hatte sie eine gute Übersicht. Unten lag der Wende- und Parkplatz mit den Garagen. Nur die Bewohner der vier Reihenhäuser benutzten ihn. Nun gut, es kam vor, dass die Kinder des Wohnblocks über den Zaun kletterten. Aber nur, wenn Fussball gespielt wurde. Also eigentlich nur im Sommer. Und höchstens, wenn keine Erwachsenen dabei waren. Auch nur, wenn der Ball einmal aus Versehen über den Hag geflogen war. Also sozusagen nie. Und man hatte dann immer noch reichlich Zeit, sich aus dem Staub zu machen.
Der Platz war nahezu ideal. Keine Autos weit und breit. Die Garagen begrenzten den Platz auf zwei Seiten. Bloss ein Schacht auf dem ganzen Asphalt. Und dann noch Gebüsch auf den anderen zwei Seiten. Also genug Möglichkeiten, um schnell zu verschwinden. Die Distanz zum nächsten Nussbaum stimmte auch: Es war nicht allzu weit bis dorthin.
«Alles OK!», krächzte Bertha.
Ihre Kollegin hatte auf einem Dach eines Nachbarhauses gewartet. Jetzt flog sie in die Höhe und liess kurz darauf eine Baumnuss auf den Platz fallen. Die Nuss zersprang wie geplant, und die Kollegin machte sich über die Teile des Kerns her. Kurz darauf flog sie zu Bertha hoch auf den Wohnblock. «Merci. Jetzt du!»
Bertha flog zum Nussbaum und kam nach wenigen Augenblicken zurück.
«Achtung!», rief ihre Kollegin. Der lange Lulatsch aus dem hintersten Haus hat die Storen hochgezogen. Er wird bald zu seiner Garage gehen und mit dem Fahrrad wegfahren!»
Tatsächlich kam kurz darauf ein Mann um die Ecke, öffnete die Garage und fuhr mit dem Velo weg. «Jetzt ist er eine Weile weg. Aber er kommt wieder mit einer Papiertüte, da hat er die frischen Gipfeli für das Frühstück drin», sagte Bertha. Sie flog hoch und liess ihre Nuss fallen.
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