Farbfleck

In einer Bushaltestelle in einem Aargauer Dorf haben Unbekannte ein unliebsames Wort und die Abkürzung einer Partei geschmiert. Natürlich verurteile ich jede Schmiererei. Dabei meine ich nicht die Kunstwerke, die man zuweilen aus dem Zug sieht, wenn man in irgendeinen Bahnhof einfährt. Auch nicht die witzigen Sprüche, über die man auf Wänden oder Bahnwagen schmunzelt. Aber ich weiche ab. Das unschöne Wort und der Kürzel also haben das Gemüt eines Politikers erregt. So sehr, dass er eine Belohnung von 500 Franken ausgesetzt hat. Man melde sich bei ihm persönlich, wenn man von der Tat Kenntnis hat. Er findet es vielleicht in Ordnung, wenn andere Parteien verunglimpft werden. Sonst würde er sich ja mit der gleichen Vehemenz auch gegen Parolen stellen, die andere Parteien betreffen. Bei anderen Gelegenheiten hat derselbe Politiker schon heftig selbst ausgeteilt. So kräftig, dass gegen ihn ein Verfahren läuft, wogegen ihn auch seine Immunität als Parlamentarier nicht schützt. Seine Partei ist dafür bekannt, dass Geld keine Rolle spielt. Es fliesst immer genug, ob für Wahlen oder Abstimmungen. Ich habe einen Verdacht: Vielleicht geht der Politiker davon aus, dass man nicht nur Stimmen, sondern auch Täter kaufen kann. Wahrscheinlich käme es billiger, die Schmähworte still und heimlich zu übertünchen. Aber das hätte den einen keine Publicity beschert, und den anderen keine heimliche Freude…


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