Nein, ich möchte nicht, dass Sie diese Geschichte vorlesen oder weitererzählen. Es ist nicht so, dass dies meine Memoiren wären, eine Biographie oder eine Laudatio. Ich bin mich gewohnt, mein Leben zu reflektieren. Daher erscheint mir Manches kritisch, was ich getan habe. Aber es ist nicht meine Schuld. Da kommst du zur Welt, wächst wohlbehütet auf, behältst dir eine spielerische und naive Weltanschauung, obwohl dir die Schule das auszutreiben versucht. Dann erlernst du mit gelerntem Ernst einen Beruf, denkst, dass es nun vierzig Jahre so weitergeht und verkennst, dass das Dasein ein lebenslanges Lernen ist. Du denkst, du bist frei, bis du realisierst, wo du ungefragt miteingebunden bist. Du verliebst dich, und zeitweise bist du liebestoll freiwillig die zweite Geige. Du gründest eine Familie, nichtahnend, auf welchen lebenslang bindenden Vertrag du dich ohne Handschlag eingelassen hast und bist nun Nummer drei, vier und so weiter. Du kaufst Haus, Auto, Fernseher und viele andere nötige und unnötige Dinge, im Glauben, dass diese Dinge funktionieren und dir dein Leben erleichtern.
Deine Überzeugungen werden solider, du wirst politisch tätig, nimmst an Wahlen und Abstimmungen teil. Deine Spuren festigen sich, werden tiefer, graben sich in der Parteienlandschaft ein. Wohl wissend, dass Argumente nicht stimmen, aber zu deiner Fraktion passen, füllst du Abstimmungszettel aus. Du unterstützt Personen, die du gar nicht magst, weil sie es immerhin besser machen, als die Menschen, die in der falschen Partei sitzen. Du schimpfst über die in Bern, die sowieso machen, was sie wollen und vergisst, dass du einen Teil davon selbst gewählt hast.
Die Wirtschaft und die Gesellschaft werden nach Aussagen der Wissenschaft ständig optimiert, bis du erkennst, dass die Kreisläufe der Natur sich nicht verbessern lassen. Zuweilen schwankst du, ob es sich nicht besser leben lässt, wenn du Leute übers Ohr haust und in kurzer Zeit viel verdienst, mehr bekommst, als dir eigentlich zusteht. Dann wieder sehnst du dich nach Einfachheit, Beziehungen und der Natur, zu der du nicht mehr gehörst. Einmal bist du Entwerfer, Planer, Macher, ein anderes Mal ein Beobachter, der überrascht wahrnimmt, entzückt staunt und philosophisch nachsinnt. Ständig hast du Vorstellungen, die sich bei genauerem Hinsehen wandeln, vernebeln, verflüchtigen, im Nichts auflösen. Was man dir in Prospekten und in der Werbung verspricht, ist nicht freundschaftlich gemeint, ist kein Insidertipp, hat nichts mit Menschenliebe zu tun, sondern nur mit Trend und Mode, Geldgier, Profit und Mammon.
Tut mir leid, wenn Sie jetzt immer noch nicht wissen, was richtig oder falsch ist. Aber wie der Titel erwähnt hat: Erstens kommt es anders, und schlimmer als du denkst.
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