Meine Arbeit? Was soll ich sagen? Am Anfang ging’s eine Weile, bis ich begriff, wo der Hase langläuft. Und danach bist du halt das Rädchen im System. Und du glaubst, wenn du die Stelle nach drei Jahren wechselst, ändert sich alles. Dann läuft der Hase wieder lang – OK, kann auch eine Häsin sein… Dann sagt dir einer, du sollst dich weiterbilden. Nun nerv nicht immer! Kommt selten vor, dass dir das EINE sagt! Es sei denn, es wär’ die eigene Frau! Du machst also eine Zusatzausbildung. Dann habe ich die Meisterprüfung gemacht – nein, Ich bin ein Meister, keine Meisterin!
Als wir dann Kinder hatten, wollte ich die Stelle nicht mehr riskieren, bin geblieben. Lohnerhöhungen? Natürlich war ich beim Chef. Habe wegen den Kindern, der Frau und der Teuerung gejammert. Habe auf meine Arbeitsleistung, meine Erfahrung und mein Engagement für die Firma hingewiesen. Meine Kollegen – und meine Kolleginnen, natürlich – haben oft gesagt: Jetzt ist es günstig, die Firma hat dieses Jahr rentiert, jetzt musst du’s wagen. Gewerkschaften? Na ja, habe den Beitrag regelmässig bezahlt. Streiks? Die sind ja meist so extrem. Und dann diese Krawallbrüder! Nein, Krawallschwestern habe ich nie gesehen! Die weiblichen Teilnehmerinnen brachten dafür meist hübsche Transparente und bunte Flyer mit. Am 1. Mai? Ich bitte dich! Diese langweiligen Reden. Und dann der gewalttätige Schwarze Block! Will doch keinen Polizeizugriff oder Tränengas provozieren! Dann doch lieber mit den Kindern zum Bräteln in den Wald! Die hatten ja in der Schule wenigstens nachmittags frei. Ob die Lehrpersonen an der 1. Mai-Feier mit dabei waren? Keine Ahnung. Ich ging ja selbst nicht hin!
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