Engagements? Du meinst irgendwo mitmachen? So öffentlich? Sozial? Na ja, wir haben immer gespendet. Für Pro Senectute, Pro Infirmis, Pro Juventute… mindestens bis das mit den Kindern der Landstrasse rauskam. REGA, Rotes Kreuz, Berghilfe… Nachbarschaftshilfe? Sicher. Wenn mal ein Ei fehlte, oder eine Zwiebel… Mein Auto ausleihen? Dafür gibt’s doch Mobility. Die Heckenschere? Hab’ ich keine. Aha, ob ich mal was? Nein, wenn ich was brauche, besorge ich es selbst. Ist ja alles ganz günstig. Lidl lohnt sich, haha!
Was meinst du? So regelmässig? Fürs Rote Kreuz? Zum Beispiel Blut spenden? Also dann eher als Fahrer, so ins Spital, wenn du etwa alle Monate an die künstliche Niere musst? Nein. Also wenn ich schon nur an Blut denke, da wird es mir schon anders. Für Asylanten? Sollen die doch im Ausland bleiben! Was wir brauchen sind Fachkräfte. Warum meinen bloss alle, hier könne man reich werden? Sollen doch zuerst mal Deutsch lernen!
Meine Ferien? Also halt dort, wo alle hingehen: Italien, Mallorca, europäische Städte… So ein bisschen abhängen. Bildungsreisen? Das wird doch überbewertet. Vor allem beim Preis, hahaha! Ich meine, ich geh’ doch in die Ferien, damit ich mich erholen kann, da ist kein Platz für Kunst, Geschichte oder Museen. Das ist doch nur teurer Luxus! Überlege mal, wie viele Tote unter all den Sehenswürdigkeiten liegen! Ich meine, das wurde durch Kriege und Ausbeutung finanziert! Doch, doch, eine Stadtrundfahrt mache ich manchmal. Wenn es zum Arrangement gehört. Triffst du ja eventuell interessante Leute, kannst du vielleicht dann abends mit denen etwas trinken gehen. Souvenirs? Früher habe ich wenigen Leuten eine Ansichtskarte geschrieben. Heute kannst du ja den Status auf WhatsApp mit Dutzenden von Fotos füllen… Dann vielleicht ein landestypisches Geschenk. Nicht zu gross natürlich, damit alles in den Koffer passt. So eine Seife, ein Handtuch, eine Flasche Wein, was weiss ich.
Schule? Nein, da gibt es nichts Erwähnenswertes. Einmal pro Jahr so ein Elternabend. Vielleicht mal eine Strafstunde. War ja nicht mehr wie bei uns, als es Ohrfeigen, Kopfnüsse und ausgerissene Haare gab. Dafür viel Papier: Jahresplan, Quartalsplan, Wochenplan… Und ständig Projekte, Ausflüge, Exkursionen. Kaum eine normale Schulwoche! Ständig hat Renate etwas unterschrieben: Schulhausregeln, Regelung für den Schwimmbadbesuch, und halt überall bezeugt, dass wir einverstanden sind: Computer-Nutzung, Handy-Verbot, digitaler Lehrmittel-Zugang… Noten? Du meinst Musik? Ach so, Schulnoten! Braucht es doch nicht mehr! Lieber viele Aufgaben, damit die zu Hause was zu tun haben! Warum keine Noten? Der Lehrbetrieb wird dann schon merken, was der Stift – oder die Lehrtochter, halt – drauf hat. Die machen heutzutage ihre eigenen Tests. Haben ja heute sowieso alle genügende Noten – auf dem Papier! Was? Ja, genau! Portfolio heisst das ja heute. Aha! Wie sagtest du? Kompetenzen? Jaja, alle paar Jahre neue Begriffe, ein neuer Lehrplan, neue Schulbücher. Und immer mehr Personen im Schulzimmer. Wer kontrolliert das eigentlich? Früher gab es Inspektoren und die Schulpflege. Wie? Die Schulleitung macht das? Wer ist das? Aha, früher hiess das Rektor. Ja, ja! Auch RektorIN! Eine Elterngruppe? Nein, dafür hatte ich keine Zeit. Ja, auch kein Interesse. Für die Schule ist die Politik, der Kanton zuständig!
Ich und Politiker? Behüte mich Gott! Nein, nein, meine Liebe! Das ist nichts für mich! Was? Ach so, du bist nicht meine Liebe? Sagt man halt so. Ich meine, so ein Politiker braucht ja erstmal Geld, damit er bei einer Partei mitmachen kann. Dann braucht er noch mehr Geld, damit er Werbung machen kann. Und wenn er dann nach Bern will, braucht er so richtig Stütz, wenn du weißt, was ich meine: Nicht nur ein paar hundert, sondern tausende! Und dann die Zeit, die du brauchst, die Sitzungen und all die Leute, die etwas von dir wollen! Und all der Plunder, den du lesen musst! Einerseits solltest du zuhören können, andrerseits deine Klappe aufreissen, so weit, dass du alle übertönst! Und wehe, du sagst etwas Falsches! Also immer drum herum schwatzen, möglichst mit vielen Worten nichts sagen…
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